Nachrichten März 2008



UMFRAGE: Geschichtsprüfung – Niederländer fallen durch

Amsterdam. FN/NRC/VK. 27. März 2008.

Das Wissen der Niederländer über die eigene Geschichte ist lückenhaft. Das zeigte der „Geschichtsmonitor 2008“ auf, der die Kenntnisse von rund eintausend Personen über die niederländische Geschichte prüfte. Die eher ernüchternden Ergebnisse der repräsentativen Studie, die auf Initiative der Tageszeitung De Volkskrant, der Fachzeitschrift Historisch Nieuwsblad und des auf historische Dokumentation ausgerichteten TV-Formats Andere Tijden zurückgeht, wurden gestern vorgestellt. Im Durchschnitt erhielten die 1069 Befragten die Note 5,2. Die niederländischen Schulnoten sind auf einer Skala von 1 (schlechteste) bis 10 (beste) gegliedert. Eine 5 ist „fast genügend“ – das „fast“ sagt dabei alles: bei einer Prüfung ist man nämlich damit durchgefallen. Erst mit der Bewertung „genügend“ (d.h. ab einem Durchschnittswert von mindestens 5,5) gilt eine Prüfung als bestanden.

Abgefragt wurde der Bildungskanon für das Fach Geschichte in der Grundschule. Die Geschichtsprofessoren Hans Blom (em.), James Kennedy und Niek van Sas entwarfen zwanzig multiple-choice Fragen, die schriftlich beantwortet werden mussten. Die Ergebnisse variierten stark. Nur 17 Prozent der Befragten wussten, dass die Niederlande erst im 19. Jahrhundert von einer Republik zur Monarchie wurden. Ungefähr die Hälfte konnte das „Goldene Jahrhundert“ einer historischen Epoche zuordnen. Aber immerhin fast 90 Prozent war Willem van Oranje als „Vater des Vaterlandes“ ein Begriff. Am Besten schnitten die Ältesten bei dem Test ab, sie erreichten im Durchschnitt eine 6. Die Gruppe der 16- bis 34-jährigen erlangte mit der Note 4,4 nur ein „ungenügend“.

Neben den Geschichtsfragen wurde auch die Meinung der Niederländer zu Themen wie Integration, Identität und europäische Einigung erfragt. Im Bereich der niederländischen Identität ist die Mehrheit der Befragten uneins mit der Frau des Thronfolgers. Die Aussagen, die Prinzessin Maxima im Vergangenen Herbst zur niederländischen Identität gemacht hat, stoßen auf klare Ablehnung. Zwei von drei Befragten sind der Meinung, dass Maxima im Unrecht ist, wenn sie sagt, dass es keine originär niederländische Identität gibt. Ein bemerkenswertes Ergebnis des „Geschichtsmonitors 2008“ ist, dass eine Mehrheit von 56 Prozent überzeugt davon ist, die Mitgliedschaft der Niederlande in der europäischen Union sei „eine der besten Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg“.