Nachrichten März 2008



FITNA: Niederlande droht weiterer Anti-Islamfilm

Amsterdam. CK/VK/NRC. 27. März 2008.

Seit Wochen stehen die Niederlande in heller Aufregung wegen des Films des Rechtspopulisten Geert Wilders. Nun droht dem Land neben „Fitna“ ein weiteres Erdbeben. „The Life of Mohammed“ heißt der Film des Vorsitzenden des Komitees für Ex-Moslime, Ehsan Jami. Gestern gab es während der TV-Sendung Netwerk eine erste Kostprobe des Animationsfilms, mit dem das ehemalige PvdA-Mitglied bewusst schockieren und verdeutlichen möchte, dass „die Lehre des Propheten gegen die universellen Menschenrechte“ verstoße. Der Filmausschnitt zeigte Mohammed mit Erektion auf dem Weg zur Moschee, um dort seine 9-jährige Frau Aisa zu entjungfern.

Als „zutiefst verletzend“ bezeichnete Ayhan Tonca, Vorstandsmitglied des ‚Contactorgaan Moslims en Overheid’ (CMO), die Filmsequenz. Mit einer einstweiligen Verfügung möchte er die Ausstrahlung Films verhindern. Auch Staatsminister Hans van den Broek, der gestern das Kabinett aufgefordert hatte, eine einstweilige Verfügung gegen Wilders Film zu erzwingen, sprach von „demütigenden und Hass säenden Bildern“. Jamis Vorgehen bezeichnete er als „politische Pyromanie“ – „Brandstiftung, aber Löschen Fehlanzeige.“

Über die Folgen seines Films macht sich Jami keine Gedanken. Seiner Ansicht nach liegt die Verantwortung nicht bei ihm, sondern bei den Menschen, die darauf reagieren. Ursprünglich wollte er mit der Sendung des Animationsfilms bis zum Sommer warten, verzichtete jedoch aus Ärger über die niederländische Regierung darauf: „Die Regierung versucht im Voraus Wilders Film zu verbieten. Wenn ich Moslem wäre, würde ich mich mehr durch Balkenende beleidigt fühlen, der Moslems als wilde Bestien darstellt, als durch Wilders.“ Als Sendedatum wählt er mit dem 20. April bewusst Hitlers Geburtstag und zieht damit Vergleiche, wie sie vor einigen Monaten bereits Wilders mit seiner Gegenüberstellung von Koran und Mein Kampf herstellte.