Nachrichten März 2008



KULTUR: Zwischen Tulpen und Weltpolitik – Keukenhof 2008 eröffnet

Den Haag/Lisse. CK/VK/AD/De Telegraaf. 20. März 2008.

Bis zu 100.000 Besucher pilgern jeden Frühling wöchentlich zum Keukenhof, um die Schönheit der Gartenanlage in der Nähe des niederländischen Örtchens Lisse zu bewundern. Mit Politik hat diese einzigartige Touristenattraktion in den Niederlanden normalerweise nichts zu tun. Und auch in diesem Jahr wäre die Eröffnung durch Prinz Willem-Alexander vermutlich eine reine Formsache gewesen – wäre das diesjährige Thema nicht „China und die Olympischen Spiele“. Die aktuellen Unruhen in Tibet führen weltweit zu einer erneute Diskussion über die Menschenrechtssituation in China und erste Rufe nach einem Boykott der Olympischen Spiele kommen auf. Menschenrechtsorganisationen forderten den niederländischen Thronfolger, der seit 1998 auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, in den letzten Tagen zu einer Stellungnahme auf und brachten diesen dadurch in eine Zwickmühle. Während der gestrigen Eröffnung des Keukenhofs hielt sich Prinz Willem-Alexander jedoch bedeckt. Auf der Internetseite des Königlichen Hauses zeigte er sich zuvor besorgt über die aktuelle Situation in Tibet und forderte eine „friedliche Lösung – mit Respekt für die Menschenrechte und mit Rücksicht auf alle Bevölkerungsgruppen.“ Ganz ohne Statement ging die Eröffnung, bei der auch der stellvertretende Bürgermeister von Peking und der chinesische Botschafter zugegen waren, jedoch nicht von statten. Erica Terpstra, ehemalige Spitzensportlerin, Politikerin und seit einigen Jahren Vorsitzende des Niederländischen Olympischen Komitees, rief dazu auf, die Olympischen Spiele nicht als politisches Streitmittel zu nutzen und die Athleten aus der Diskussion herauszuhalten. Das Internationale und Niederländische Olympische Komitee seien, so Terpstra, keine politischen Organisationen. Es sei vielmehr eine „Sache des Kabinetts ein Urteil über die Menschenrechte in Tibet und China abzugeben.“