Nachrichten März 2008



KULTUR: Niederländer Geert Mak mit Leipziger Literaturpreis ausgezeichnet

Leipzig. CK/Welt online/Die Zeit/Das Parlament. 13. März 2008.

Der niederländische Journalist und Schriftsteller Geert Mak wurde gestern mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Während der Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus wurde ihm der mit 15.000 Euro dotierte Preis, der seit 1994 verliehen wird, überreicht.

Europa und Verständigung, das sind zentrale Themen, die sich wie ein roter Faden durch die Werke des 1946 im niederländischen Friesland geborenen Pastorensohns ziehen. Besonderes Aufsehen erzielte sein 2004 veröffentlichtes Buch „In Europa“. Ein Jahr reiste der Autor quer durch Europa, sprach mit den unterschiedlichsten Menschen und sammelte unzählige Eindrücke, die er anschließend in seinem Buch verarbeitete. Heraus kam eine Bündelung von Essays über die wichtigsten Schauplätze der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert, die sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern insbesondere auch mit deren Auswirkungen auf die Gegenwart  auseinandersetzen. Tief reichen diese Spuren der Vergangenheit bis in die heutige Zeit. Während seiner Reise erkannte Mak deutlich, dass es die europäische Kulturgemeinschaft nicht gibt. Zurück blieb für ihn der Eindruck, dass Europa im Jahr 1914 eine größere kulturelle Einheit darstellte, als heute.

Während seiner gestrigen Dankesrede warnte der Autor vor den möglichen Auswirkungen von zu viel Moralität: Diese könne „die Geschichte mit einem Vlies der Selbstzufriedenheit bedecken. All diese Urteile von uns, den Zuschauern, bilden allmählich eine Barriere, die es uns auf die Dauer unmöglich macht, uns der damaligen Wirklichkeit in all ihrer Komplexität auch nur anzunähren.“ Dieses sieht er als Gefahr – auch für die aktuelle Entwicklung in seinem Heimatland: „Trotz aller Lehren aus dem zwanzigsten Jahrhundert sehe ich, wie in meinem Land unzählige Menschen schon wieder den verführerischen Botschaften geschickter Phrasendrescher erliegen.“