Nachrichten März 2008



ANTI-KORAN-FILM FITNA: Balkenende hofft auf Unterstützung der EU

Den Haag/Brüssel. CK/NRC/VK. 13. März 2008.

Seit Tagen finden in islamischen Ländern vermehrt Demonstrationen gegen die geplante Veröffentlichung des koranfeindlichen Films des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders sowie gegen die kürzlich erneut publizierten Mohammed-Karikaturen in Dänemark statt. In der pakistanischen Stadt Peshawar gingen gestern Hunderte religiöse Studenten auf die Straße und auch in Afghanistan forderten radikale Moslime, die Beziehungen zu beiden Ländern abzubrechen und die im Land stationierten niederländischen Truppen zu vertreiben. Die NATO-Truppen reagierten mit einer klaren Distanzierung von beiden „Projekten“ und beteuerten die Respektierung „aller Religionen, einschließlich des Islams.“ Ministerpräsident Balkenende zeigte sich empört über die antiniederländischen Demonstrationen in Afghanistan und verwies auf den wichtigen Beitrag, den die Niederländer für Frieden und Sicherheit in dem Land leisten würden.

Der Generalsekretär der „Organisation der Islamischen Konferenz“, die sich als internationale Vertretung der islamischen Welt versteht, warnte Außenminister Verhagen vor möglichen „ernsthaften Vergeltungsmaßnahmen“. In einem Bericht über Islamfeindlichkeit, der anlässlich des zurzeit stattfindenden Gipfeltreffens der Organisation in Dakar veröffentlicht wurde, werden insbesondere Wilders Pläne negativ hervorgehoben. Eine mögliche Aufführung des Films sei eine „alarmierende Entwicklung“.

Sollte es in Folge der Veröffentlichung zu Ausschreitungen gegenüber Niederländern und niederländischen Einrichtungen kommen, so hofft der niederländische Premier auf die Solidarität der EU-Länder. Bereits seit Monaten tauscht sich die niederländische Regierung mit anderen europäischen Staaten aus. Während des heute beginnenden EU-Frühjahrsgipfels in Brüssel steht Wilders’ Film zwar nicht auf der offiziellen Agenda – er soll jedoch am Abend thematisiert werden und Balkenende die offizielle Haltung des niederländischen Kabinetts diesbezüglich darlegen. Für eine gemeinsame europäische Erklärung ist es nach Ansicht des Ministerpräsidenten jedoch noch zu früh. Dafür müssten mehr Einzelheiten über den Inhalt des Films bekannt sein. Dennoch zeigte sich Balkenende während der gestrigen Parlamentsdebatte zum anstehenden EU-Treffen zuversichtlich und verwies auf die „breite Anerkennung“, die das Kabinett international für sein bisheriges Verhalten in dieser Angelegenheit bekommen hat.

Unterdessen gab Geert Wilders bekannt, dass er „alles daran setze“, den Film Ende März ins Internet zu stellen. Auf die geplante Pressevorführung in Den Haag will er jedoch verzichten: Bedenken von seiner Seite sind jedoch nicht der Grund für diese Entscheidung, sondern die Tatsache, dass er die enormen Kosten für die nötigen Sicherheitsvorkehrungen selbst hätte tragen müssen.