Nachrichten März 2008



FORSCHUNG: Universität führte illegal Uran ein

Groningen. FN/NRC/VK. 04. März 2008.

Die Rijksuniversiteit Groningen (RUG) hat 2003 illegal mehrere Kilogramm radioaktiven Materials aus Großbritannien importiert. Insgesamt 4,8 Kilogramm von leicht radioaktivem, abgereicherten Uran ließ sich die Universität, ohne vorher die erforderliche Genehmigung einzuholen, über Rotterdam nach Groningen liefern. Danach transportierte die Universität das Material in eigener Regie in die rund 180 km entfernte Stadt Bunschoten in der Nähe von Amersfoort. Dort wurde das Uran von der Firma Highway International für Forschungszwecke aufbereitet. Bei einer Routinekontrolle des Betriebs im Jahr 2006 fiel auf, dass keine entsprechende Genehmigung für das Material vorlag. Als Lieferant konnte jedoch zweifelsfrei die Universität Groningen ausgemacht werden.

Abgereichertes Uran fällt als Abfallprodukt bei der Urananreicherung an. Aufgrund seiner hohen Dichte wird es vor allem als Uranmunition in panzerbrechenden Geschossen eingesetzt. Die Uranmunition besitzt bei geringer Größe eine hohe Masse und daher eine enorme Durchschlagskraft. Weiterhin wird abgereichertes Uran für Ausgleichsgewichte im Flugzeugbau eingesetzt. Der radioaktive Stoff wird verwendet, damit die Gewichte möglichst wenig Platz benötigen. Zur Vermeidung von Kontaminationen und Strahlenbelastung wird das Uran in Gehäuse aus Stahlblech oder Aluminium eingeschweißt. Nur ein kleiner Teil des anfallenden abgereicherten Urans kann weiterverwertet werden. Etwa 95 % des abgereicherten Urans wird in großen, speziellen Stahltanks, ähnlich wie in einem Atommüllzwischenlager, aufbewahrt. Abgereichertes Uran ist stark gesundheitsschädlich, wenn es in Form von Feinstaub oder Dampf eingeatmet oder verschluckt wird. Das archäologische Institut der Universität benötigt das Uran, um mithilfe des leicht radioaktiven Stoffs das Alter von Ausgrabungsfunden zu ermitteln.

Das Uran sei im Jahr 2003 nicht in den Niederlanden erhältlich gewesen, rechtfertigte sich die Universität und betonte, bei dem eigenmächtigen Import habe es sich um eine einmalige Aktion gehandelt. Das Innenministerium bestätigte, die Universität Groningen habe nicht über die für den Transport von Uran notwendige Genehmigung des zuständigen Ministeriums (Ministerie van Volkshuisvesting, Ruimtelijke Ordening en Milieubeheer, VROM) verfügt. Das Kernenergiegesetz schreibt vor, dass die Behörden über den Import und den Transport in Kenntnis gesetzt werden. Daraufhin  verurteilte das Gericht in Groningen die Universität Anfang der Woche zu einer Geldstrafe von 12.000 Euro.

Jos Speekman, Sprecher der Universität, versicherte, die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. Eine Gefährdung der Bevölkerung „wurde in keiner Weise festgestellt und stand während der Gerichtsverhandlung nicht zur Diskussion“. Das Material sei zwar „radioaktiv, aber nur sehr leicht“, beschwichtigte er.