Nachrichten juni 2008


POPULISMUS: Spätfolgen von „Fitna“: Boykott niederländischer Waren

Amman. CK/VK/NRC. 25. Juni 2008.

Als Ende März der islamfeindliche Film des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders erschien, blieben die erwarteten Ausschreitungen und Reaktionen in der muslimischen Welt aus. Nur vereinzelt kam es zu Demonstrationen in arabischen Ländern. Seit kurzem erfolgen jedoch in Jordanien Boykottaufrufe gegen niederländische Produkte und Firmen. Drahtzieher ist die Organisation „The Messenger of Allah Unites Us“, die bereits seit längerem zum Boykott dänischer Waren aufruft. In den letzten Wochen erschienen erstmals auch niederländische Unternehmen wie KLM und Philips auf ihrer Boykottliste. Nach eigenen Angaben strebt die Organisation unter anderem eine internationale Gesetzgebung an, mit der die Verletzung religiöser Gefühle verboten werden soll. Wirtschaftliche, publizistische und juristische Maßnahmen sollen ihr dabei als Druckmittel dienen. Mittlerweile reichen die Maßnahmen der Gruppe über Jordanien hinaus. Am Wochenende wurde in Dubai mit Hilfe der jordanischen Aktivisten ein eigenes Boykottkomitee errichtet. Weitere Gespräche mit Ägypten und anderen arabischen Ländern stehen an. Ziel ist eine Ausdehnung des Boykotts auf die gesamte Golfregion. In Folge des zunehmenden Drucks sind bereits zwei niederländische Unternehmen an die Öffentlichkeit getreten: Zwanenberg und Friesland Foods distanzierten sich in jordanischen Zeitungen von Wilders Film „Fitna“.

Dem niederländischen Politiker drohen inzwischen rechtliche Konsequenzen. „The Messenger of Allah Unites Us“ beließ es nicht bei einem Aufruf zum Boykott, sondern erhob in der jordanischen Hauptstadt Amman Anklage gegen Wilders. Die Gruppe wirft ihm Rassismus, Anstiftung zum Hass sowie eine Beleidigung des Islams und der Moslems vor. In Folge dieser Anklage, die seit dem 10. Juni offiziell in Jordanien registriert ist, läuft Wilders theoretisch Gefahr, im Ausland inhaftiert und an Jordanien ausgeliefert zu werden. Das Land könnte auf Grundlage der Anklage einen Ersuch bei Interpol einreichen, um Wilders international aufspüren und verhaften zu lassen. Eine weitere Möglichkeit wären direkte Verhandlungen und Auslieferungsersuche an die jeweiligen Länder, in denen sich das Parlamentsmitglied aufhält. Wilders, der „kein Risiko eingehen“ möchte, lässt die möglichen Folgen dieser Anklage zur Zeit vom niederländischen Außenministerium abschätzen.