Nachrichten juni 2008


EMBRYO-SELEKTION: Einigung der Regierungsparteien

Den Haag. CK/VK/NRC. 25. Juni 2008.

Seit Ende letzten Monats sorgte die Frage, ob Embryos, die durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind, in Zukunft auf genetisch bedingte und vererbbare Krebserkrankungen getestet werden dürfen, für viel Aufregung in den Niederlanden. Das niederländische Kabinett geriet an den Rand einer Krise.(NiederlandeNet berichtete) Insbesondere die konservative ChristenUnie protestierte gegen die von den Sozialdemokraten geforderte Ausdehnung der Embryoselektion. Gestern kam es zu einer ersten Einigung zwischen den Koalitionspartnern, der am Freitag noch vom Kabinett zugestimmt werden muss.

Demnach dürfen Embryos, wie von PvdA-Staatssekretärin Bussemaker gefordert, in Zukunft auch auf erbliche Krebserkrankungen untersucht werden. Allerdings soll diese Untersuchung an klare Kriterien gebunden werden und eine Selektion auf Situationen beschränkt sein, in denen „ein stark erhöhtes Risiko“ für eine schwere Erkrankung des Nachwuchses besteht. Eine medizinisch-ethische Kommission soll in Zukunft jeden Einzelfall prüfen und aufgrund verschiedener Kriterien, wie der Art der erblichen Erkrankung und ihre Behandelbarkeit, entscheiden, ob eine Selektion stattfinden darf.

Im Universitätskrankenhaus Maastricht, dem einzigen Krankenhaus, in dem eine genetische Diagnostik vor der Implantation bislang durchgeführt werden darf, besteht bereits eine solche medizinisch-ethische Arbeitsgruppe. Praktisch wird sich zunächst nicht viel ändern. Dennoch kann die ChristenUnie die Formalisierung einer solchen Kommission als Erfolg verbuchen.