Nachrichten juli 2008



SPORT: Walk of the World – Der 4-Tages-Marsch von Nimwegen

Nimwegen. JOK/4daagse. 18. Juli 2008.

Auch dieses Jahr war die althistorische niederländische Stadt Nimwegen wieder Schauplatz für ein Sportevent der Superlative: Dem inzwischen zum 92. Mal stattfindenden „4-daagse“, der größten Sportwanderveranstaltung der Welt. Vom 15. bis 18. Juli starteten mehr als 43.000 Teilnehmer aus über 60 Nationen auf einer täglichen Strecke zwischen 30 und 50 Kilometer. Der diesjährige Traditionslauf verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die Sicherheitsvorkehrungen auf der Strecke und die medizinischen Hilfestellungen für die Läufer wurden verstärkt. Wissenschaftler der Universität Nimwegen prüften bereits vergangenes Jahr die Konditionen der Läufer anhand von Fragebögen, Temperatur- und Bluttests, um die Katastrophe von 2006, als 2 Läufer in der Mittagshitze an Überanstrengung starben, zu vermeiden. Der 4-Tages-Lauf ist kein Wettkampf. Alle Teilnehmer haben die Möglichkeit, beim Bestehen ihrer Strecke, entweder die goldene 4-Tages-Medaille, eine Gruppen- oder Betreuungsmedaille oder eine Urkunde (diploma) zu bekommen. Die Organisation verleiht zudem noch spezielle Mitgliedschaften für Teilnehmer, die mindestens zehn Mal mitgelaufen sind.

4-daagseDie eigentliche Idee des 4-Tage-Laufes kam von Leutnant C. Viehoff aus Arnheim, der 1907 vorschlug, innerhalb von vier Tagen zu einer militärischen Sportveranstaltung in Breda zu marschieren. Daher stammt die bis heute bestehende Aufteilung der Teilnehmer in verschiedenen Gruppen, die von leichten, kurzen Streckenstücken bis zu den Militärläufern mit 10 Kilo zusätzlicher Tragelast reichen. Der gerade frisch gegründete erste Sportdachverband „Niederländischer Bund für körperliche Erziehung“ (NbvLO) setzte diese Idee 1909 das erste Mal um: Einen Tag nach dem Königinnentag starteten 306 Teilnehmer auf einer Strecke von rund 150 Kilometern aus diversen Kasernen. Nur zehn Zivilisten machten bei dem ersten Lauf mit, der trotz schlechten Streckenverhältnissen und der Cholera in Rotterdam, in den Folgejahren starken Zulauf bekommen sollte. 1914 und 1915 stand die militärische Mobilmachung des Ersten Weltkrieges im Vordergrund und der Lauf musste ausfallen. Vier Jahre später schaffte es die erste Frau erfolgreich bei dem Marsch mitzumachen und 1925 wurde offiziell beschlossen, die historische Stadt Nimwegen als Start- und Ausgangspunkt festzulegen. 1928 wurden das erste Mal – mit Blick auf die in Amsterdam stattfindenden Olympischen Spiele – auch ausländische Delegationen zum 4-Tage-Marsch eingeladen und mit einer seit dieser Zeit traditionellen Flaggenparade begrüßt. In den 30er Jahren wuchs die Begeisterung bei der Bevölkerung sowie den militärischen Garnisonen und gipfelte schließlich in die Komposition einer „4-Tage-Hymne“. Der Zweite Weltkrieg machte das Sportereignis unmöglich. Jedoch trotzte das stark zerstörte Nimwegen den kriegerischen Verwüstungen und schaffte es dank der (finanziellen) Unterstützung der Bürgerschaft bereits 1946 den ersten Nachkriegslauf zu organisieren. Die Teilnehmerzahlen übertroffen sogar die Vorkriegsjahre und stiegen im weiteren Verlauf fast jährlich an, sodass 2004 ein Anmeldelimit festgelegt werden musste. Mit im Schnitt 45.000 Läufern ist der 4-Tages-Marsch von Nimwegen die größte Marschveranstaltung und mit Besuchern aus über 70 Ländern eines der größten Sportevents der Welt.