Nachrichten juli 2008



SCHULLEITUNG: Ganztagesbetreuung nicht Aufgabe der Schule

Den Haag. FN/NRC/NOVUM. 8. Juli 2008.

Die Mehrheit der Schulleitungen sehen die Ganztagesbetreuung ihrer Schüler nicht als Aufgabe der Schule an und wollen die Verantwortung für die Betreuung abgeben. Das ist ein Ergebnis einer heute veröffentlichten Studie des Sociaal- en Cultureel Planbureau (SCP). Das SCP ist ein Beratungsorgan der Regierung, das für Evaluationen und Prognosen im Bereich des Sozialwesen sowie des Kultursektors verantwortlich ist.

Die so genannten Basisschulen, die Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren besuchen, sind seit 2005 gesetzlich dazu verpflichtet, Ganztagesbetreuung anzubieten. Allerdings müssen die Schulen die Betreuung nicht selbst übernehmen. Sie müssen lediglich dafür sorgen, dass ein Betreuungsangebot genutzt werden kann. Die Betreuung kann also „outgesourct“ werden. Dabei sind die Schulen nicht für die Qualität des Angebots verantwortlich. Eine erhebliche Entbindung von Verantwortung – die bei der schulinternen Bereitstellung von Betreuung selbstverständlich wegfällt. Generell sind starke Unterschiede in der Auslegung von „ganztägiger Betreuung“ festzustellen. So gibt es beispielsweise Bestrebungen, die Betreuung in der Mittagszeit auszulassen. Für berufstätige Eltern würde sich so der Vorteil einer Ganztagesbetreuung erübrigen. Obwohl die Niederlande sehr fortschrittlich sind bei den Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Karriere, scheuen sich laut SCP offenbar bis zu 86 Prozent der Schulen, die wichtige Aufgabe der Kinderbetreuung zu übernehmen. Als wichtige Aufgaben der Schulen werden vielmehr die angemessene Förderung sowohl von Problemschülern als auch von hochbegabten Kindern und die Sicherheit an den Schulen angesehen.

In den vergangenen Jahren haben die Leitungsgremien der Schulen kontinuierlich mehr Befugnisse bekommen. Die Frage, wie mit den neuen Handlungsspielräumen umgegangen wird, war Anlass der Studie. In den Niederlanden sind neben den öffentlichen Schulen ein Großteil der Schulen in privater Trägerschaft. Meistens handelt es sich hier um Konfessionsschulen. Unabhängig davon erhält jede Schule die gleiche staatliche Finanzierung, die sich anhand der Schülerzahlen errechnet. Offiziell obliegt die Leitung der Schule dem „Schoolbestuur“, einem gewählten Gremium, in dem häufig auch Eltern vertreten sind. Mittlerweile ist das Gremium für die Personalangelegenheiten, das Schulgebäude, die Qualität des Unterrichts und nun auch für die Ganztagesbetreuung zuständig. Die SCP-Befragung hat allerdings ergeben, dass, obwohl das „Schoolbestuur“ formal entscheidet, in der Regel faktisch die Direktion der Schule die Entscheidungen trifft.