Nachrichten Januar 2008


INTERNATIONAL: Diktator Suharto ist tot

Jakarta. FN/NRC/VK/Spiegel online. 28. Januar 2008.

Suharto, der frühere Diktator von Indonesien, ist gestern im Alter von 86 Jahren gestorben. Er konnte sich jahrzehntelang in Indonesien an der Macht halten. Missliebige und Andersdenkende wurden während seiner Gewaltherrschaft getötet. Mehr als eine halbe Million Menschen verloren ihr Leben. Suharto wird als brutaler und korrupter Staatschef in Erinnerung bleiben, der sich einer Strafverfolgung immer entziehen konnte. In den vergangenen Jahren hatte sich Suharto mehrfach stationär behandelt lassen. Kritiker hatten jedoch immer wieder darauf hingewiesen, Suharto sei nicht so krank, wie er behaupte, sondern wolle sich nur dem Korruptionsprozess entziehen. Mit einem ärztlichen Attest hatte er im Jahr 2000 erreicht, dass ein Prozess wegen der Veruntreuung von umgerechnet rund 387 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern ausgesetzt wurde.

Der 1921 als Sohn einer Bauernfamilie auf Java geborene Suharto begann seine Karriere in der niederländischen Kolonialarmee in Indonesien. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er gegen die japanische Besatzung, nach der Unabhängigkeit des Landes 1945 stieg er rasch in der Militärhierarchie auf. Ins politische Rampenlicht trat Suharto 1965 durch seine maßgebliche Rolle bei der Niederschlagung eines angeblichen Putschversuchs von Kommunisten. In der Folge wurden mehrere Hunderttausend angebliche oder tatsächliche Mitglieder der Kommunistischen Partei hingerichtet. Als Armee-Oberbefehlshaber und Verteidigungsminister verdrängte er mit immer weiterreichenden Befugnissen den kränkelnden Präsidenten Sukarno schrittweise von der Macht. Nach seinem offiziellen Amtsantritt als Präsident 1967 setzte Suharto stets alles daran, selbst am Schalthebel der Macht in Indonesien zu bleiben. Die Ränge der mächtigen Streitkräfte des Landes besetzte er mit Gefolgsleuten. Die Medien wurden strenger Kontrolle unterstellt. Mit seiner antikommunistischen Haltung gewann Suharto außenpolitisch die Sympathien der USA und anderer westlicher Staaten. Bei Menschenrechtlern stand Suharto hingegen in der Kritik. Sie warfen ihm im Zusammenhang mit dem Einmarsch in das nach Unabhängigkeit strebende Osttimor im Jahr 1975 Völkermord vor. Der völkerrechtswidrigen Besatzung folgte ein 25-jähriger Bürgerkrieg in dem Schätzungen zufolge 200.000 Menschen starben. Unter Suharto erlebte Indonesien einen rasanten Wirtschaftsboom. Er baute die Erdöl- und Gasproduktion sowie die Textilindustrie des landwirtschaftlich geprägten Landes aus. Doch als der Kurs der Landeswährung Rupiah in der Folge der Asienkrise ins Bodenlose stürzte, geriet Suharto unter Beschuss. Nach anhaltenden Studentenprotesten musste er am 21. Mai 1998 zurücktreten.

Suharto ist heute mit einem Staatsbegräbnis mit allen militärischen Ehren beigesetzt worden. Die Straßen sowohl in Jakarta als auch in seinem Heimatort Solo waren von zehntausenden Menschen gesäumt. Die indonesische Bevölkerung ist auch heute noch in ihrer Bewertung des ehemaligen Diktators geteilt. Viele verehren ihn als Vaterfigur, der das Land in den 70er und 80er Jahren auf Reformkurs brachte. Andere verachten ihn als Menschenrechtsverletzer und einen der korruptesten Potentaten der Welt. Der niederländische Außenminister, Maxime Verhagen, blieb relativ wage in seiner Bewertung. Er nannte Suharto „eine wichtige politische Figur“ Indonesiens. Er habe Indonesien zwar „mit eiserner Hand regiert“, dem Land, das bis in die Vierzigerjahre niederländische Kolonie war, jedoch auch „eine relative Stabilität“ gebracht.