Nachrichten Januar 2008


GEDENKEN: Holocausterinnerung in Rotterdamer Briefkästen

Rotterdam. CK/VK/AD Rotterdam. 24. Januar 2008.

Eine Einwurfsendung der besonderen Art erhalten heute die Einwohner Rotterdams: „Onbestelbaar“ (Unzustellbar) heißt das Buch von Isaac Lipschits (77), das in den Briefkästen von 250.000 Haushalten zu finden sein wird. Der ehemalige Groninger Professor für Zeitgeschichte beschreibt darin seine persönlichen Erfahrungen während der Judenverfolgung in den Niederlanden – in Form eines Briefes an seine in Auschwitz ermordete Mutter. Lipschits, der in Rotterdam aufwuchs und den dortigen Verfolgungen ausgesetzt war, überlebte zusammen mit seinem Bruder im Versteck.

Die Einwurfaktion geht zurück auf eine Initiative des Niederländischen Auschwitzkomitees und des auf Holocaustfachliteratur spezialisierten Verlages „Verbum“. Sie möchten mit ihrem Vorgehen größere Teile der Bevölkerung für die damaligen Geschehnisse sensibilisieren und ihnen weiter reichende Kenntnisse über die Judenverfolgung vermitteln. Verlagsmitarbeiter Gerton van Boom: „Bei Gedenkveranstaltungen kommt immer die selbe Personengruppe, die bereits viel über die Judenverfolgung weiß. Hiermit erreicht man eine ganz andere Zielgruppe.“

Lipschits selbst, der gestern im Rotterdamer Rathaus das erste Exemplar der Sonderausgabe überreicht bekam, verweist bewusst auch auf die heutige Zeit. Er wünscht sich, dass die Menschen aus dem Buch eine Lehre für das heutige Zusammenleben ziehen, wenn sie sehen, wohin Diskriminierung und Ausschluss führen können. Zwar könne, so Lipschits, keine Rede davon sein, dass „ein neuer Weg nach Auschwitz gepflastert wird“, aber es würde zurzeit wieder eine Gruppe an den Rand des Zusammenlebens gedrängt werden.