Nachrichten Januar 2008


FINANZEN: Heftigster Kurseinbruch an der Börse seit 9-11

Amsterdam. FN/NRC/VK. 22. Januar 2008.

Der Amsterdam Exchange index (AEX) fiel gestern deutlich um 6,1 Prozent auf 422,45 Punkte. Die Amsterdamer Börse musste damit den größten Kurseinbruch seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verzeichnen. Auch die übrigen europäischen und asiatischen Aktienmärkte wurden von den Auswirkungen der US-amerikanischen Kreditkrise auf den Weltmarkt erfasst.

Die Kreditkrise brach in den USA im Sommer 2007 aus. Zunächst war sie ein auf den amerikanischen Banken- und Immobilensektor beschränktes Problem. Viele Menschen mit so genannten Risikohypotheken konnten durch fallende Immobilienpreise und steigende Zinsen ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen. Durch den Handel mit den risikoreichen Anleihen waren insbesondere Hedge-Fonds betroffen. Hier kam es zu erheblichen Verlusten. Die Schließung von Fonds wurde unausweichlich. Große Verluste bei den Investmentbanken führten am Kapitalmarkt zu einer schlagartigen Abnahme der Risikobereitschaft der Anleger. In kurzer Zeit wurden erhebliche Beträge aus dem Kapitalmarkt abgezogen. Investitionen blieben aus. Die aus der unsicheren Situation am US-amerikanischen Finanz- und Immobilienmarkt resultierende Talfahrt der Aktienkurse hat nun die europäischen und asiatischen Börsen erreicht. Sorgen über eine Rezession in den USA als Folge der Immobilienkrise ließen die Kurse einbrechen.

Nach Einschätzungen der europäischen Finanzminister haben die negativen Entwicklungen an den internationalen Börsen und die schlechten Prognosen für das Wachstum der US-amerikanischen Wirtschaft größere Auswirkungen auf die Wirtschaft der europäischen Staaten, als zuvor angenommen. „Die Finanzmärkte sind sehr stark in Bewegung. Die Situation ist unsicherer als gewöhnlich“, erklärte der Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Minister der Eurozone gestern in Brüssel. Auf europäischer Ebene will man jedoch offenbar zunächst abwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Den aktuellen Kurseinbruch bezeichnete Juncker als „zum Teil irrational“. Was sich gestern bei der Amsterdamer Börse abspielte, wirkte einem Analysten zufolge „ziemlich panikartig“. Die niederländischen Anleger stießen vor allem Wertpapiere von Versicherungen und Banken ab.

Grundsätzlich sind die niederländischen Wirtschaftszahlen äußerst positiv. Die Wirtschaft wuchs im vergangen Jahr um drei Prozent und die Arbeitslosigkeit fiel deutlich. Der niederländische Staatshaushalt wird für das Haushaltsjahr 2007 mit einer positiven Bilanz abschließen. Premierminister Jan Peter Balkenende und Finanzminister Wouter Bos zeigten sich daher „gemäßigt optimistisch“, dass sich die Finanzkrise nicht langfristig negativ auf die niederländische Wirtschaftsentwicklung auswirken werde. Der Präsident der Nederlandsche Bank NV, der niederländischen Zentralbank wollte jedoch diesen Optimismus angesichts der unsicheren Lage nicht teilen und äußerte sich vorsichtiger.

Mit Spannung warten Analysten und Anleger nun auf die Kursentwicklung in den Vereinigten Staaten. „Der große Unbekannte ist der US-Aktienmarkt und seine Reaktion auf die Vorgabe aus Asien und Europa“, betonte ein Händler. Zum Wochenstart waren die Börsen in New York wegen des „Martin Luther King"-Feiertages geschlossen geblieben.