Nachrichten Januar 2008


ÖFFENTLICHER NAHVERKEHR: „OV-Chipkarte ist ungesetzlich“

Amsterdam/Nijmegen. FN/NRC/VK/Elsevier. 16. Januar 2008.

Ein Student der Universität Nijmegen hat den Chipcode des neuen digitalen Kartensystems des öffentlichen Nahverkehrs geknackt. Beim Openbaar vervoer, dem öffentlichen Personennahverkehr der Niederlande, gibt es offenbar massive Sicherheitsprobleme mit dem Chipkartensystem und Unklarheiten bei der Datenspeicherung.

Ein Sprecher des Chipkarten-Herstellers Trans Link Systems (TLS) bestätigte, dass die Wegwerfversion der Chipkarte - eine Fahrkarte für bis zu zwei Fahrten - trotz eines eingebauten Sicherheitsschutzes kopiert worden ist. Technisch ist es also möglich, die Angaben des Chips auf eine sogenannte Ghostcard zu kopieren. Diese kann nach jeder Fahrt zurückgesetzt werden, so dass man unbegrenzt „freifahren“ kann. In der vergangenen Woche wurde zudem auf einem IT-Kongress in Berlin bekannt gegeben, dass deutsche Hacker den Sicherheitscode auf einer OV-Abonnement-Chipkarte geknackt haben. Diese Information wurde durch den Sprecher von TLS jedoch nur zum Teil bestätigt. Die Computerhacker haben offenbar nur einen Bestandteil des Sicherheitscodes entschlüsseln können. Angaben darüber, ob dies ausreichend ist, um eine Kopie oder Fälschung der Karte herzustellen, machte er nicht.

Auf Beschluss des Verkehrsministeriums muss die Chipkarte bis Januar 2009 einheitlich in den Niederlanden eingeführt sein. Die „Strippenkaart“, eine Art Sammelkarte aus Papier auf der die jeweiligen Fahrkartenabschnitte abgestempelt werden, wird dann abgeschafft. In Amsterdam und in Rotterdam werden die OV-Chipkarten schon seit einiger Zeit getestet. Die Sicherheit des eingebauten Chips wird vor allem von den Kosten für die Technik bestimmt. Für eine hohe Sicherheitsstufe müssten die Kunden deutliche Mehrkosten in Kauf nehmen.

Zusätzlich zu den offenbar vorhandenen Sicherheitsmängeln gibt es noch Unklarheiten darüber, wie mit den persönlichen Angaben der Fahrgäste auf den Chips umgegangen werden soll. Die auf der Fahrkarte gespeicherten Fahrten und ein persönlicher Identifikationscode sollen in einer zentralen Datenbank gespeichert werden. Das bedeutet, dass jeder, der Zugang zu diesen Daten hat, sich eine vollständige Übersicht darüber verschaffen kann, welche Fahrt eine Einzelperson mit der U-Bahn, dem Bus, der Straßenbahn und dem Zug unternommen hat. Die Verkehrsbetriebe möchten darüber hinaus die Angaben über das Reiseverhalten der Kunden nutzen, um gezielt Werbung machen zu können. Der Vorsitzende des College Bescherming Persoonsgegevens (CBP), Jacob Kohnstamm erklärte nun: „Der zur Zeit geplante Einsatz der OV-Chipkarte ist ungesetzlich.“ Das CBP ist ein unabhängiges Kollegium, dass im Auftrag des Staates die Einhaltung der Gesetze zum Gebrauch von persönlichen Daten kontrolliert. Kohnstamm forderte die Verkehrsbetriebe dazu auf, eine Erklärung zu der Speicherung der persönlichen Reisegewohnheiten der Kunden abzugeben. „Allein kommerzielle Absichten“ würden für diese große Datenspeicherung nicht ausreichen, machte er klar deutlich.

Auch Abgeordnete der Zweiten Kammer äußerten sich besorgt über die neusten Entwicklungen. In der vergangenen Woche beantragten die Socialistische Partij (SP) und die Groenlinks eine Dringlichkeitsdebatte. Damit gibt es nun die erforderliche Mehrheit für die Durchführung der Anhörung, die noch in dieser Woche angesetzt werden soll.