Nachrichten Januar 2008


GEDENKEN: Anne-Frank-Baum muss nicht gefällt werden

Amsterdam. FN/NRC/VK. 3. Januar 2008.

Die vielbeachtete Kastanie im Hinterhof des Achterhuis von Anne Frank muss vorläufig nicht gefällt werden. Der Baum hat noch eine Lebenserwartung von weiteren fünf bis fünfzehn Jahren. Das geht aus den umfangreichen Untersuchungen über den Zustand des über 160 Jahre alten Baumes hervor.

Ursprünglich sollte die Kastanie, die Anne Frank aus ihrem Versteckt im Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht sehen konnte, Ende November gefällt werden. In letzter Sekunde konnten die Gegner der Fällung dies durch einen richterlichen Eilbeschluss verhindern. Eine neue Untersuchungsfrist bis Anfang Januar wurde gewährt. (NiederlandeNet berichtete). Da sich in dem Streit um die Zukunft des Baumes in letzter Zeit die Fronten zwischen den Anwohnern, der Stadt Amsterdam und der Anne Frank-Stiftung verhärtet hatten, wurde ein unabhängiger Vermittler eingeschaltet. Gestern präsentierten acht Baumexperten unter der Moderation des Vermittlers die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Vier von ihnen waren von der Amsterdamer Stadtteilverwaltung eingeschaltet worden. Die übrigen vier, unter ihnen ein Experte aus Deutschland, wurden durch die niederländische Baumstiftung engagiert. Beide Expertenteams stellten übereinstimmende Ergebnisse vor: wie schon zuvor angenommen leidet der Baum unter den Folgen eines Pilzbefalls. Der „Wulstige Lackporling“ ist ein Schwächeparasit, der das lebende Holz des Anne Frank Baumes angefallen hat. Er erzeugt eine Weißfäule und bringt so Teile des Holzes zum Absterben. Einig sind sich die Experten, dass der Erhalt des Baumes jedoch bei der richtigen Behandlung noch mindestens weitere fünf Jahre vertretbar ist. Die jährlichen Unterhaltungskosten würden dabei insgesamt rund zehntausend Euro beanspruchen. Der Betrag beinhaltet die notwendige Installation und Pflege eines Stahlkorsetts, das den 31 Tonnen schweren Baum stützen soll.

Heute werden die Ergebnisse der Expertenkommission bei einer öffentlichen Anhörung der amtlichen Beschwerdestelle des Stadtteils vorgestellt. Der gemeinschaftliche Rat der Kommission lautet: der Stadtteil soll die Genehmigung zur Fällung des Baumes zurückziehen. Bis Mitte Januar muss dann die endgültige Endscheidung über die Zukunft von Anne Franks Baum gefällt werden.