Nachrichten Januar 2008


RECHT: Holleeder zu 9 Jahren Haft verurteilt

Amsterdam. CK/VK/NRC/Groene Hart. 2. Januar 2008.

Am 21. Dezember 2007 endete der „Jahrhundert-Prozess“ gegen Willem Holleeder: Der Haarlemer Gerichtshof verurteilte ihn wegen Erpressung, Geldwäscherei und Misshandlung zu neun Jahren Haft. Holleeder konnte während des neun Monate dauernden Prozesses die Erpressung der drei Immobilienhändler Rolf Friedländer, Kees Houtman und Willem Endstra nachgewiesen werden. Für eine Verurteilung im Fall John Weismuller reichten die Beweise nicht aus. Holleeder, der bereits in den 80er Jahren wegen der Entführung des Biermagnaten Freddy Heineken zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, wurde zudem wegen der Leitung einer kriminellen Organisation schuldig gesprochen. Acht weitere Personen waren mitangeklagt: Fünf von ihnen wurden ebenfalls verurteilt und müssen bis zu 20 Monate Haftstrafe verbüßen.

Mit seinem Urteil weicht das Haarlemer Gericht leicht von den Forderungen der Staatsanwaltschaft ab, die Anfang November zwölf Jahre Haft für den Hauptangeklagten beantragt hatte. (NiederlandeNet berichtete) Strafmildernd wirkt sich unter anderem die öffentliche Diskussion über den Prozess aus: Staatsanwalt Fred Teeven, der zugleich für die liberal-konservative VVD im Parlament sitzt, und Polizeikommissar John Olierook haben bereits vor der Verurteilung öffentlich von der Schuldigkeit Holleeders gesprochen, was sich nach Ansicht des Gerichts nicht positiv auf die Ausgangsposition des Angeklagten ausgewirkt habe.

Holleeders Anwalt Jan-Hein Kuijpers kündigte kurz nach der Bekanntgabe des Urteils Berufung an. Die Begründungen für das Urteil seien widersprüchlich, so Kuijpers. Zudem habe das Gericht die gesundheitliche Situation des Verurteilten nicht mit berücksichtigt. Holleeder war im Sommer wegen eines Herzleidens operiert worden.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich hingegen zufrieden mit der Urteilsverkündung und bereitet weitere Prozesse gegen Holleeder vor, in denen seine mögliche Beteilung an der Ermordung der beiden Erpressungsopfer Kees Houtman und Willem Endstra untersucht werden soll.