Nachrichten Februar 2008


INDUSTRIE: Tweede Maasvlakte – Gigantisches Hafenerweiterungsprojekt in Rotterdam

Rotterdam. FN/NRC. 28. Februar 2008.

Die Baggerfirmen stehen bereit: Gestern wurde der Vertrag über die Erdarbeiten für die umfangreiche Erweiterung des Rotterdamer Hafens abgeschlossen. Vor zweieinhalb Jahren wurde der Auftrag ausgeschrieben. Ein Konsortium auf den Seebaggerfirmen Koninklijke Boskalis Westminster NV und Van Oord Dredging and Marine Contractors hat den Zuschlag bekommen.  Die Maasvlakte ist ein großes Industriegebiet, das am Rand der Nordsee als künstliche Insel angelegt wurde und Teil des Hafens Rotterdam ist. Sie gehört zur Gemeinde Rotterdam, obwohl diese 40 Kilometer entfernt ist. In den Sechzigerjahren wurde die Maasvlakte angelegt, indem ein Ringdeich gebaut wurde und der Innenraum mit Sand auf der Nordsee aufgespült wurde. Heute ist der Rotterdamer Hafen ist einer der größten Häfen der Welt und damit mit Abstand der größte Hafen Europas. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nordseehäfen ist er von Schiffen mit bis zu 24 Meter Tiefgang anfahrbar.

2004 wurden die Pläne für eine Erweiterung des Hafens durch ein weiteres Landgewinnungsprojekt genehmigt. Die Tweede Maasvlakte („Zweite Maasvlakte“) soll weiter in der Nordsee gebaut werden. Der geplante Ausbau umfasst eine Fläche von 2000 Hektar. Durch die Vergrößerung der Maasvlakte um 20% auf 6000 Hektar und die Erweiterung des Hafens, verdreifacht sich die Umschlagskapazität für Container in Rotterdam. Die Kosten werden sich auf rund drei Milliarden Euro belaufen. Der neue Tiefseehafen soll 2013 seinen Betrieb aufnehmen. Das gestern beauftragte Konsortium wird den ersten Abschnitt bauen. Der Auftrag beinhaltet die Baggerarbeiten, die Errichtung eines 2,5 km langen Deiches und die infrastrukturelle Erschließung des Neulandes. Die Vertragssumme beläuft sich auf eine Milliarde Euro. Van Oud-Chef Van Herwijnen verdeutlicht die Dimensionen der Landgewinnung, indem er zu bedenken gibt: „Zum Vergleich: das Inselprojekt „The World“ in Dubai ist nur halb so groß.“ Das Konsortium sei „erfreut und stolz, als niederländische Unternehmen in diesem bedeutenden Projekt in unserem eigenen Land beteiligt zu sein“, sagte Peter Berdowski, Vorstandsvorsitzender von Boskalis. Die zweite Maasvlakte bestätige „die Rolle der Niederlande als eine führende Nation in der Seebebauung“.

Ob mit den Baumaßnahmen wie geplant im Herbst begonnen werden kann, wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Gegen das gigantische Landgewinnungsprojekt regt sich von Seiten des Umwelt- und Naturschutzes großer Widerstand. Der Lebensraum vieler Seetiere und -pflanzen wird durch die Maasvlakte vernichtet. Auch die Umweltbelastungen, zum Beispiel durch den deutlich erhöhten Feinstaubausstoß, werden zunehmen. Entscheidend wird hier die Aussprache des Raad van State, dem wichtigsten Beratungsorgan der niederländischen Regierung, die für September angesetzt ist, sein. Als Kompensationsmaßnahmen für den massiven Eingriff in das Küstengebiet sind bisher die Ausweisung eines neues Naturreservat und die zusätzliche Anlegung von Dünenflächen bei Hoek van Holland geplant.