Nachrichten Februar 2008


POLITIK: Joop den Uyl als Retter des Königshauses

Amsterdam. CK/VK/NRC. 21. Februar 2008.

Der ehemalige Ministerpräsident Joop den Uyl rettete das niederländische Königshaus in den 70er Jahren vor seinem Untergang. Das ist – überspitzt gesagt – das Fazit einer soeben abgeschlossenen Dissertation der Politologien Anet Bleich über den Politiker Joop den Uyl. Während der Amtszeit des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten (1973-1977) geriet Königin Julianas Ehemann, Prinz Bernhard, in Verruf in eine internationale Schmiergeldaffäre des amerikanischen Flugzeugherstellers Lockheed verwickelt gewesen zu sein. Bis zu 1,1 Millionen Dollar sollen damals für die Lobbyarbeit des Prinzen geflossen sein – damit dieser für den Kauf des Kampfflugzeuges Starfighter F104 in den Niederlanden wirbt. Eine vom Kabinett Den Uyl einberufene unabhängige Untersuchungskommission kam jedoch zu keinen klaren Ergebnissen – ausreichende Beweise fehlten. Während dieser Zeit geriet das Königshaus arg ins Wanken, eine mögliche Strafanzeige gegen Prinz Bernhard hätte vermutlich zu Julianas Rücktritt als Königin geführt und über ihre Tochter Beatrix spekulierte man damals, dass sie unter diesen Umständen nicht als Königin nachfolgen wolle. Soweit kam es jedoch nicht. Prinz Bernhard kam mit einem blauen Auge davon und verlor seine Funktion als Generalinspekteur des Heers.

Dieses wäre nach Ansicht der Politologin Bleich vermutlich anders verlaufen, wenn bereits damals bekannt geworden wäre, dass Bernhard in eine weitere Schmiergeld-Affäre verwickelt war. Erst nach seinem Tod im Dezember 2004 drang dies in die Öffentlichkeit. 750.000 Dollar waren dem Prinzen in den 70ern für die Unterstützung des Lockheed-Konkurrenten Northrop geboten worden. Im Gegensatz zur Lockheed-Affäre waren die Beweise in diesem Fall eindeutig und lagen, wie die Dissertation Bleichs zeigt, dem damaligen Ministerpräsidenten Den Uyl vor. Die Beweise waren während der Untersuchungen der unabhängigen Kommission zutage getreten und dem Premier zusammen mit dem Abschlußbericht vorgelegt worden. Da sich die Untersuchungen der Kommission offiziell nur auf die Lockheed-Affäre bezogen, konnte Den Uyl diese brisanten Informationen einbehalten und mit dem Vermerk „Sache Northrop persönlich“ at acta legen. Hätte Den Uyl diese Dokumente nicht bewusst der Öffentlichkeit vorenthalten, wäre Bernhard nach Ansicht Bleichs unhaltbar gewesen und eine Königskrise unabwendbar. Auch die damalige Königin Juliana schien zu wissen, was sie an Den Uyl hatte und dankte diesem im November 1987, einen Monat vor seinem Tod, explizit „für die schwere ‚Operation’“, die er damals durchgeführt habe.