Nachrichten Februar 2008


WIRTSCHAFT: Rekordwachstum 2007 – Spitzenreiter in Europa

Den Haag. FN/NRC/VK. 18. Februar 2008.

Die niederländische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent gewachsen. Damit ist das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Jahr 2000 zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft in den Niederlanden im 4. Quartal 2007 um 4,4 Prozent. Die rasante Entwicklung der Wirtschaft wurde vor allem durch den Export beflügelt. Der Export nahm um 6,4 Prozent zu. Die niederländische Statistikbehörde, das Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS), folgerte, dass „der teure Euro die Exporteure nicht zu belasten scheint“. Auch die Konsumenten scheinen sich nicht durch die Berichte über die negative Entwicklung der Weltwirtschaft abschrecken zu lassen. Bei Luxusartikeln stieg der private Konsum sogar um mehr als 4 Prozent. Die schockierenden Meldungen über die US-amerikanische Immobilienkrise lösten keine Panik in den Niederlanden aus. Die internationale Kreditkrise hat sich auf das niederländische Kreditgeschäft bisher nicht negativ ausgewirkt. Die Arbeitslosigkeit ging im vergangenen Jahr weiter zurück. Mit einer Arbeitslosenquote von 4 Prozent der Erwerbspersonen belegen die Niederlande einen Spitzenplatz im europäischen Vergleich. Auch der Vergleich der Wachstumszahlen zeigt, dass die Niederlande mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegen.

Das gemittelte Wirtschaftswachstum aller 27 Mitgliedstaaten liegt bei 2,9 Prozent. Die 15 Staaten der Eurozone kommen nur auf ein durchschnittliches Wachstum von 2,7 Prozent. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wirkte sich auf die Löhne aus. Im ersten Halbjahr 2007 stiegen die Tariflöhne um 1,7 Prozent, im zweiten Halbjahr um 2,5 Prozent. Die einzige negative Folge der sonst so zufriedenstellenden Wirtschaftsentwicklung ist die Steigerung der Teuerungsrate. Im ersten Monat des Jahres 2008 stieg die Inflation auf 2 Prozent.

Parallel zu der Veröffentlichung der Wirtschaftsdaten stellte das Centraal Planbureau (CPB) in der vergangenen Woche die Prognose für das zukünftige Wirtschaftswachstum vor. Das CPB ist ein unabhängig arbeitendes Institut, das aber dem Wirtschaftsministerium untersteht und für die Wirtschaftsprognosen und –analysen verantwortlich ist. Mit einem zu erwartetem Wirtschaftswachstum von 1,75 Prozent fiel die Prognose des CPB zunächst recht vorsichtig aus. Im Vergleich zu Dezember wurden die Zahlen um 0,5 Prozent nach unten korrigiert. Nachdem die Wachstumsrate des vergangenen Jahres vorgestellt wurde, wird das CPB seine Prognose jedoch überarbeiten. Das Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres „übertrifft jedermanns Erwartungen“ gab Coen Teulings, Direktor des CPB, zu. Teulings nannte noch keine neuen Zahlen. Er gab zu bedenken, dass die Erstellung einer verlässlichen Prognose von der zurzeit  „ungewöhnlich mehrdeutigen und merkwürdigen Situation“ in der Wirtschaft erschwert werde. Einerseits herrscht eine große Unsicherheit über die weltweite Wirtschaftsentwicklung auf Grund der Kreditkrise in den Vereinigten Staaten. Andererseits entwickelt sich die niederländische Wirtschaft ausgesprochen positiv. Das hervorragende Wachstum von 2007 werde einen positiven Impuls auf die Entwicklung in 2008, einen so genannten „overloopeffect“ haben. Auch Finanzminister Wouter Bos (PvdA) erwartet „ein kräftiges Wirtschaftswachstum“ im Jahr 2008. Alles „Gerede“ der letzten Zeit über eine wirtschaftliche Rezession befindet sich seiner Meinung nach „vollkommen außerhalb der Wirklichkeit“.