Nachrichten Februar 2008


INTERNATIONAL: Sport als „Motor der Entwicklungshilfe“

Den Haag. FN/NRC/Trouw/VK. 13. Februar 2008.

Die Niederlande werden in den kommenden vier Jahren 16 Millionen Euro für die Förderung des Sportes in den Entwicklungsländern ausgeben. Für den niederländischen Minister für Entwicklungszusammenarbeit, Bert Koenders (PvdA), ist Sport ein „Motor für die ökonomische Entwicklung“. Unmittelbar nachdem er sich in Kenia persönlich ein Bild von der Situation der Bevölkerung machen konnte, stellte Koenders gemeinsam mit Staatssekretär Jet Bussemaker (Sport) das Vorhaben der intensiven Sportförderung in den Entwicklungsländern vor. Ein Förderprogramm für zehn ausgewählte Länder soll dazu erarbeitet werden. Hinter dem Plan steht die Annahme, dass sich Sport nicht nur positiv auf die Gesundheit des Einzelnen, sondern auch auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung auswirkt. Vor allem Projekte speziell für Frauen und Mädchen sollen durch die niederländischen Fördermittel initiiert werden.

Häufig haben Frauen in den Entwicklungsländern überhaupt nicht die Möglichkeit, Sport zu treiben, da ihnen beispielsweise der Zugang zu Sportstätten untersagt ist. Die Langstreckenläuferin Lornah Kiplagat wird als niederländische Botschafterin für das Projekt Sport und Entwicklungszusammenarbeit in die Partnerländer gehen. Die niederländische Marathonläuferin stammt selbst ursprünglich aus Kenia und kennt das Problem, das Frauen, die Sport treiben wollen, in Afrika haben. „Trainieren in einer kurzen Hose oder einem Traininganzug passt nicht in das Frauenbild der afrikanischen Männerwelt“, erklärt sie. Als sie noch in Kenia lebte, musste sie daher früh morgens, fast im Dunkeln trainieren. Lornah Kiplagats ehrgeiziges Ziel ist es, zunächst in Peking in diesem Jahr olympisches Gold für die Niederlande zu gewinnen, dann will sie sich mit voller Kraft für die Sportförderung in den Entwicklungsländern einsetzen. Davon, dass der Sport auf die Menschen in den Entwicklungsländern positive Auswirkungen hat, ist sie sehr überzeugt: „Sport kann eine Brücke schlagen, denn Sport macht selbst in komplizierten Situationen das Kommunizieren leichter.“ Minister Koendres ist sich bewusst, dass man mit Sport „nicht alle Probleme lösen kann“. Dennoch kann man mit der Sportförderung viele Menschen erreichen und sie aus ihrer Isolation befreien. Der Sport habe dabei die Funktion „eines Katalysators“, so der Minister für Entwicklungszusammenarbeit.

Grundsätzlich scheint eine Überarbeitung der bisherigen Strategie der niederländischen Entwicklungszusammenarbeit notwendig zu sein. Die sechs Milliarden Euro Entwicklungshilfe, die die Niederlande von 1998 bis 2006 für Afrika aufgebracht haben, sind häufig nicht sinnvoll für die nachhaltige Armutsbekämpfung eingesetzt worden. Das Ziel, die Situation der am stärksten von Armut betroffenen Menschen zu helfen, ist damit verfehlt worden. Das geht aus dem Evaluationsbericht hervor, den die Kontrollinstanz des Außenministeriums IBO vor Kurzem vorgelegt hat. Die Entwicklungszusammenarbeit der Niederlande orientiert sich an den Millenniumszielen der Vereinten Nationen, bei denen die Bekämpfung der Armut im Vordergrund steht.

Vor allem die Schuldentilgung bzw. der Schuldenerlass kam hauptsächlich den Regierungen korrupter Länder zu Gute. Sie trug jedoch nichts zur Armutsbekämpfung bei. Der niederländische Staat hat zudem an der Tilgung von Exportkreditschulden gespart, da die für die Garantie für Exporte aus den Niederlanden zur Verfügung gestellten Kredite vom Entwicklungshilfebudget abgezogen werden. Der Bericht macht deutlich, dass die arme Bevölkerung korrupter Staaten, wie zum Beispiel in Nigeria, nicht vom Schuldenerlass profitieren. Im Falle Nigerias hat die Praxis der Schuldentilgung eher strategische Gründe. Die USA drängten die Gläubigerstaaten dazu, die Schulden zu erlassen, da sie ihre Ölimporte sicherstellen wollen.