Nachrichten Februar 2008


POLITIK: Hirsi Ali bald Französin?

Paris. CK/VK/Spiegel/Welt online. 13. Februar 2008.

Nachdem Mitglieder des Europaparlaments kürzlich die finanzielle Unterstützung der bedrohten niederländischen Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali mit Hilfe von EU-Mitteln gefordert hatten (NiederlandeNet berichtete), gehen einige französische Intellektuelle und Zeitungen nun noch einen Schritt weiter: Sie fordern die französische Staatsbürgerschaft für das ehemalige niederländische Parlamentsmitglied. Insbesondere der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, der Hirsi Ali gar als „Erbin Voltairs“ bezeichnete, setzt sich für diese ein.

Am Sonntag sprach die Niederländerin vor einem linken Pariser Publikum, unter dem sich auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal befand. Während ihres ersten öffentlichen Auftritts seit langer Zeit sprach Hirsi Ali davon, dass „jede Frau, die auf der Welt bedroht ist“, Frankreich auf ihrer Seite finden würde – und brachte damit den französischen Präsidenten in Verlegenheit. Dieser hielt sich bislang eher zurück und reagierte mit einer Forderung nach einem europäischen Fonds zur Unterstützung von Menschen, die durch „religiöse Fanatiker“ bedroht werden.

Eine konkrete Anfrage zum Erhalt der französischen Staatsbürgerschaft hat Hirsi Ali bislang nicht gestellt. Die Verhandlungen befänden sich, so die Islamkritikerin, „noch auf politischem Niveau.“ In einem, in der Volkskrant veröffentlichten, Interview sagte sie: „Was die Franzosen betrifft, kann ich nur hoffen. Ich kann dem Land keine Forderungen stellen. Ich befinde mich in einer verzweifelten Situation, muss jedes Angebot mitnehmen.“ Im gleichen Atemzug bezeichnete sie den Personenschutz in den Niederlanden als ein „Desaster“ und kritisierte die Haltung der niederländischen Regierung. Diese habe ihr 2002 einen umfassenden Schutz zugesagt, der bis zum Ende der Bedrohung bestehen bleiben sollte. Mit der Beendigung des Personenschutzes außerhalb der Niederlande habe das Kabinett, so Hirsi Ali,  im Prinzip gesagt, „dass ich jenseits der niederländischen Grenze erschossen werden darf.“