Nachrichten Februar 2008


UMFRAGE: Weiblich, alleinstehend, nichtgläubig, homosexuell oder farbig. Ergebnisse der Ministerpräsidentenbefragung in den Niederlanden

Rotterdam. JOK/NRC/TR. 05. Februar 2008.

Am heutigen Dienstag publizierten Eén Vandaag und die niederländische Tageszeitung De Pers die Ergebnisse der Umfrage zum Thema Ministerpräsident, die mit 21.000 befragten Niederländern/innen aus allen Schichten und Altersgruppen durchgeführt wurde. Neun von zehn Niederländern/innen (93 Prozent Zustimmung) hätten der Erhebung zufolge keine Probleme damit, eine weibliche Ministerpräsidentin zu haben. Auch gegenüber einem homosexuellen Premier (78 Prozent) bestehen kaum Bedenken.

Mit 90 prozentiger Zustimmung und somit auf Platz 2 würden die Befragten einen alleinstehenden und auf dem dritten Tabellenplatz mit 87 Prozent einen nichtgläubigen Ministerpräsidenten wählen. An fünfter Stelle von insgesamt 17 möglichen Ministerpräsidenten-Kategorien und gleichzeitig deutlich über der 50 Prozent Marke liegend, wurde ein farbiger Premier gewählt.

Die niederländischen Frauen scheinen der Umfrage zufolge toleranter zu sein als die männliche Bevölkerung. Auch fallen die Antworten jüngerer Niederländer/innen toleranter aus als die älterer. Vier von fünf Jugendlichen würden einen Ministerpräsidenten surinamischer Herkunft normal finden, die Unterstützung der über 65-Jährigen bei dieser Aussage beträgt jedoch gerade einmal ein Viertel. Insgesamt würde jedoch beim Thema ausländischer Herkunft, ein Surinamer als Ministerpräsident (50 Prozent Zustimmung) noch vor einem Antillianer (43 Prozent) oder Türken (33 Prozent) bevorzugt werden.

Auch die Toleranz gegenüber Andersgläubigen ist begrenzt: Gerade einmal die Hälfte der Befragten würde einen jüdischen Ministerpräsidenten akzeptieren (hier sackt die Zustimmung von 80 Prozent bei den 12-19-Jährigen auf einen absoluten Tiefpunkt bei den über 65-Jährigen). Einen Muslim als Premier würde noch nicht einmal ein Drittel (drittletzter Listenplatz) aller Interviewten an der Regierungsspitze sehen wollen.

Einen Ministerpräsidenten, der über siebzig Jahre alt wäre, lehnten durchgehend alle befragten Altersgruppen ab: nur für 19 Prozent (Schlusslicht der Tabelle) aller Interviewten wäre die Altersfrage kein Problem. Einen Ex-Junkie an der Regierungsspitze widerrum, können sich immerhin 26 Prozent (vorletzter Platz) der Befragten vorstellen.

Die politischen Ausrichtungen der Befragten waren ebenfalls bekannt. So stellt sich heraus, dass Groen-Links-Wähler die tolerantesten sind, dicht gefolgt von der progressiv-linksliberalen Anhängerschaft der Partei D66. Die Parteigänger der rechtspopulistischen Strömung um Geert Wilders erzielten die niedrigsten Toleranzwerte.