Nachrichten Dezember 2008


SPORT: Elf-Städte-Tour trotz Eislauffieber ungewiss

De Bilt. TM/VK/NOS/KNMI/PBL. 31. Dezember 2008.

Kein bedeutenderes Thema als das Wetter treibt Niederländer von jung bis alt in diesen Weihnachtsferien um. Kaum wurde kurz vor Weihnachten von den Meteorologen des Wetter-Instituts KNMI eine Frostperiode vorhergesagt, träumen viele Niederländer wieder einmal den zuletzt sehr selten wahr gewordenen Traum vom Schlittschuhlaufen auf Natureis. Viele begannen daraufhin mit der Suche nach ihren Schlittschuhen, die viele auf ihren Dachböden eingemottet haben. Denn es ist schon etliche Jahre her, dass die eissportbegeisterten Niederländer auf zugefrorenen Seen und Kanälen im ganzen Land ihrem Sport nachgehen konnten.

Die neuentdeckte Begeisterung bringt den Sportfachgeschäften sodann einen nichterwarteten Andrang ein: Wer sein Paar Schlittschuhe nicht mehr wiederfindet oder wer aus ihm herausgewachsen ist, der benötig ein neues Modell; wer seine Schlittschuhe wieder herrichten will, der benötigt neue Schnürsenkel und frisch geschliffene Kufen. Dies führte dazu, dass Sportgeschäfte vor und vor allem nach den Weihnachtsfeiertagen mit einer enormen Nachfrage konfrontiert waren, welche die Hersteller der Eisgleiter durch eine Ausweitung der Produktion zu befriedigen versuchen. Ein Betrieb in Almelo ließ seine Angestellten sodann selbst über die Weihnachtsfeiertage arbeiten, um die vielen Anfragen begeisterter Eisläufer und Sportartikelhändler zu erfüllen.

Wie in jeder Saison, so geistert auch in diesem Winter der elektrisierende Begriff der „Elfstedentocht“ – ein Eisschnellaufwettkampf auf Natureis durch elf Städte der Provinz Friesland – durch die Öffentlichkeit. Dieses über die Landesgrenzen hinaus bekannte Großereignis fand seit 1909 bisher nur ganze fünfzehn Mal statt. Zuletzt konnte vor zwölf Jahren, im Januar 1997, ein Gewinner über die 200 km lange Wettkampfstrecke gekürt werden. Ob und wann in diesem Winter eine Elfstedentocht möglich ist, hängt ganz alleine vom Wetter ab.

Auch wenn zum Jahreswechsel in vielen Orten der Eissportnation bereits Eisdicken von 6 cm auf Natureisbahnen gemeldet werden, so scheint eine erneute Elfstedentocht noch in weiter Ferne zu sein: Erst bei einer Eisdicke von 10 cm gelten Touren mit größeren Gruppen auf dem Eis im Allgemeinen als sicher. Bei der Elfstedentocht geht man sogar noch einen Schritt weiter und verlangt eine 16 cm dicke Eisdecke, bevor der Wettkampf eröffnet wird. Durch die globale Klimaveränderung steigen die Chancen dabei nicht grade an – im Gegenteil: Konnte man in den 1950er Jahren statistisch noch alle vier Jahre mit einer Elfstedentocht rechnen und waren es in den 1990ern noch alle neun Jahre, so weisen neueste Studien des Umwelt-Planbüros PBL daraufhin, dass heutzutage durchschnittlich nur noch alle achtzehn Jahre eine Elf-Städte-Tour durchführbar ist.

Auch wenn dass nationale Meteorologie-Institut KNMI nun also zum Jahreswechsel den Beginn einer Frostperiode voraussagt, bleibt Vorsicht geboten. So riet der Direktor des Eislaufbundes KNSB, Huub Stammes, noch wenige Tage nach Weihnachten davon ab, sich bereits jetzt auf Natureis zu wagen – lediglich zugefrorene Felder oder Kunsteisbahnen böten im Moment die volle Sicherheit. Diese Warnung scheint die enthusiastischen Niederländer aber genauso wenig wie etliche Unglücksmeldungen über eingebrochene Eisläufer von ihrer Begeisterung abzuhalten.