Nachrichten Dezember 2008


DEMOGRAFIE: Anstieg von Geburten und Migration: Bevölkerung wächst weiter

Den Haag. TM/CBS/Eurostat/EV/NRC/VK. 24. Dezember 2008.

Wie aktuelle Zahlen des niederländischen Statistikbüros CBS zeigen, steigt die Zahl der in den Niederlanden lebenden Menschen auch im vierten Quartal des Jahres weiterhin an. Grund für das Bevölkerungswachstum sind zum einen die weiterhin steigenden Geburtenzahlen. Zum anderen stellt das CBS aber auch einen erhöhten Zuzug vor allem osteuropäischer Arbeitnehmer fest, der jetzt Ende 2008 einen neuen Rekord erreichte.

Zählten die Niederlande am 1. Januar 2008 noch offiziell 16,4 Millionen Einwohner und verkündete man seit der Jahrtausendwende einen Anstieg um über eine halbe Millionen Menschen, so hat die Einwohnerzahl nach aktuellen Berechnungen des CBS im jetzt endenden Jahr 2008 noch einmal um 76.000 Personen zugenommen. Für 2007 verkündete man noch einen geringeren Bevölkerungszuwachs von 30.000 Personen, was den Trend eines schnelleren Anstiegs der Bevölkerung offenbart.

Ursächlich für das Bevölkerungswachstum sind zu zwei Dritteln die steigenden Geburtenzahlen. So gab es im diesem Jahr mit 185.000 Geburten knapp 4.000 mehr Neugeborene als im Jahr zuvor. Sie lagen mit einem Unterschied von 52.000 Personen zudem viel höher als die Sterbefälle im selben Jahr, womit der sinkende Bevölkerungstrend von Anfang des Jahrhunderts jetzt umgedreht scheint. Zu einem weiteren Drittel trägt der vermehrte Zuzug ausländischer Personen zum Anstieg der Bevölkerungszahl bei. So beobachtet das CBS jetzt seit dem Jahr 2003 zum ersten Mal mehr Zuzug als Wegzug: Mit 140.000 neuen Immigranten konnten die Niederlande im Jahr 2008 somit einen neuen Einwanderer-Rekord verbuchen. Die Zahl der Auswanderer war mit 120.000 zudem auch etwas kleinerer als noch im Jahr zuvor.

Die Niederlande gelten trotz der im eigenen Land immer wieder aufkommenden Diskussion um den Umgang mit Migranten noch immer als „Paradies“ für Einwanderer und belegen hinter Schweden, Portugal und Belgien Platz vier der beliebtesten Einwandererstaaten in der Europäischen Union. Zum überwiegenden Teil hat man es in den Niederlanden dabei mit Arbeitsmigranten zu tun, die zumeist aus anderen EU-Mitgliedstaaten stammen. Laut Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat stammen dabei rund 40 Prozent der Migranten aus einem anderen Mitgliedsstaat. In den Niederlanden sind seit der EU-Osterweiterung vor allem Zuzügler aus den Staaten Mittel- und Osteuropas wie Polen, Rumänien oder Bulgarien vertreten.Vergleichbar mit dem europäischen Durchschnitt, bei dem die Polen die zahlenmäßig stärkste Gruppe von Zuwanderern ausmachen, waren sie im letzten Quartal 2008 auch in den Niederlanden wieder die größte Zuwanderergruppe. Wie niederländische Zeitarbeitsagenturen berichteten, verließen polnische Staatsbürger aktuell vermehrt jene EU-Staaten wie Großbritannien, Irland oder Island, die von der Finanzkrise sehr schwer getroffen sind und kommen in Euro-Länder wie die Niederlande oder Skandinavien, um dort nach Arbeit zu suchen. Zuvor hatte es in den Niederlanden bereits im Juni einen explosiven Anstieg auf 95.000 Gastarbeiter aus Osteuropa gegeben.

Nach der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 um Polen und neun weitere Mitgliedsstaaten ist es für Arbeitnehmer dieser Staaten einfacher geworden, in der gesamten EU nach passender Arbeit zu suchen. Seit dem 1. Mai 2007 brauchen sie zudem keine Arbeitserlaubnis mehr zu beantragen, um in den Niederlanden zu arbeiten. Für die dort ebenfalls stark vertretenen Rumänen und Bulgaren gilt diese Freiheit noch nicht vollends: Durch den späteren EU-Beitritt ihrer Länder zum 1. Januar 2007 können sie noch nicht auf die Beantragung einer Arbeitserlaubnis im Gastland verzichten.