Nachrichten Dezember 2008


GEDENKEN: Nie wieder “Harry, da stimmt doch etwas nicht” – zum Tod von Horst Tappert

Hamburg/Amsterdam. FN/AD/NRC/Trouw/VK/SZ. 18. Dezember 2008.

Zahlreiche niederländische Zeitungen haben mit Bildern und Berichten auf den Titelseiten in dieser Woche den verstorbenen „Derrick“-Darsteller Horst Tappert gewürdigt. Tappert war am vergangenen Wochenende im Alter von 85 Jahren in einer Klinik in der Nähe von München verstorben. Bundespräsident Horst Köhler bezeichnete Tappert als „einen Botschafter unseres Landes“. „Derrick“ war der deutsche Exportschlager: in 108 Ländern – von China bis Kamerun wurde die Krimiserie ausgestrahlt. Als Oberinspektor Derrick habe Tappert Fernsehgeschichte geschrieben und „dem deutschen Krimi international Format und Anerkennung verschafft“, schrieb die niederländische Zeitung „Allgemeen Dagblatt“. Die überregionale Tageszeitung „Trouw“ lobte die psychologische Feinfühligkeit der Serie. Derrick habe die Fähigkeit ausgezeichnet, sich in die Psyche der Täter hineinzuversetzen und sie so, nicht ohne Mitgefühl, zu überführen.

Über 25 Jahre, von 1974 bis 1998, erfreute sich die Krimiserie um den charakteristischen Stephan Derrick und seinen Partner Harry Klein in den Niederlanden großer Beliebtheit. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen strahlte die 281 Folgen im Originalton mit niederländischen Untertiteln aus. Auch heute noch gibt es niederländische Derrick-Fanklubs. Als Stephan Tappert 75-jährig in den Ruhestand ging und die Sendung eingestellt wurde, baten mehr als eine Viertelmillion Niederländer das ZDF, die Serie fortzusetzen. Mit seiner Filmrolle war Horst Tappert verwachsen wie kaum ein anderer Schauspieler. Zu den Markenzeichen des Oberinspektors gehörten die dicke Brille und der Trenchcoat. Die monotonen Gespräche zwischen ihm und seinem Partner endeten häufig mit dem bedächtigen Ausspruch: „Harry, da stimmt doch etwas nicht“. Die Beliebtheit des Phänomens „Derrick“ erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Die oft als hölzern kritisierte Kameraführung, die lineare Erzählstruktur und minutenlange Dialoge trugen nach Expertenansicht aber gerade zum Erfolg der Serie bei, weil sie den Held der Handlung zum berechenbaren Durchschnittsmenschen machten.

Kultstatus erlangte der Derrick-Ausspruch „Harry hol’ schon mal den Wagen“. Dass dieser Satz so in der Serie allerdings nie gefallen ist, hat seinem Wiedererkennungswert – auch in den Niederlanden – keinen Abbruch getan. Das „Allgemeen Dagblad“ betitelte seinen Nachruf auf Horst Tappert mit dem traurigen Satz „Harry braucht den Wagen nicht mehr zu holen. Derrick ist tot“.