Nachrichten Dezember 2008


RECHTSPRECHUNG: Heesters verliert Klage

Berlin. CK/NRC/Spiegel online/Zeit online. 17. Dezember 2008.

Der niederländische Sänger und Schauspieler Johannes Heesters hat seine Unterlassungsklage vor dem Berlin Landgericht verloren. Anlass der Klage war eine Veröffentlichung des Publizisten Volker Kühn, in der behauptet wird, Heesters hätte 1941 im Konzentrationslager Dachau für die Lagerleitung gesungen. (NiederlandeNet berichtete) Heesters, dessen Besuch im Lager fotografisch belegt ist, bestreitet von jeher,während seines Aufenthalts in Dachau vor der SS aufgetreten zu sein. Kühn bezieht sich in seiner Dokumentation auf die Aussage eines bereits verstorbenen Zeitzeugen, der bei Heesters vermeintlichen Auftritt den Vorhang gezogen haben will.

Auch das Gerichtsverfahren brachte keine Klarheit über Heesters Dachau-Besuch. Da es jedoch, so der Richter, „gewisse Anhaltspunkte für einen Auftritt“ gibt und Heesters nicht eindeutig das Gegenteil beweisen konnte, wurde seine Unterlassungsklage abgewiesen.

Vor wenigen Tagen hatte der 105jährige Heesters erneut für Schlagzeilen gesorgt, als er während einer Satireshow des niederländischen Fernsehsenders Vara Hitler als „guten Kerl“ bezeichnete. Eine medienwirksame Entschuldigung des Entertainers, der nun keine Fragen „zu dieser unglückseligen Zeit“ mehr beantworten möchte, folgte in der ZDF-Sendung „Wetten, dass…?“

In den Niederlanden ist Heesters nach wie vor aufgrund seiner erfolgreichen Karriere in Deutschland während der NS-Zeit und insbesondere wegen seines Dachau-Besuchs umstritten. Während eines Konzerts in seiner Heimatstadt Amersfoort im Frühjahr diesen Jahres hatten sich rund Hundert Demonstranten vor dem Konzerthaus versammelt.