Nachrichten Dezember 2009


KULTUR: Deutsch-niederländische Beziehungen in den 70er Jahren

Münster. CK. 11. Dezember 2009. 

Die deutsch-niederländischen Beziehungen gelten heute als sehr gut und zeichnen sich durch eine enge politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit aus. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war das Verhältnis jedoch nicht so unbelastet wie heute: Ressentiments gegen die ehemaligen Besatzer und Argwohn gegenüber der jungen Bundesrepublik prägten lange Zeit das Verhältnis der beiden Staaten. Insbesondere in den Wirrungen der 70er Jahre kam im Nachbarland die Frage auf, wie gefestigt die deutsche Demokratie eigentlich ist. In diesen bewegten Zeiten war der Christdemokrat Dries van Agt Justizminister (1973-1977) und Ministerpräsident (1977-1982) der Niederlande. Gestern blickte er im Haus der Niederlande auf seine Erfahrungen während seiner Amtszeit zurück.

Im Mittelpunkt standen dabei die deutsch-niederländischen Beziehungen, die – wie sein Vortrag zeigte – in den verschiedensten Bereichen eine wichtige Rolle spielten. So wurde er beispielsweise als Justizminister mit der Frage der Freilassung der letzten drei inhaftierten deutschen Kriegsverbrecher, die in den Niederlanden einsaßen, konfrontiert. Ein Thema, das im Nachbarland erheblichen Widerstand hervorrief. Emotionale Reaktionen, wenn auch auf einer völlig anderen Ebene, löste auch die Niederlage der niederländischen Fußballnationalmannschaft gegen Deutschland im WM-Finale 1974 aus. Die Frustration in den Niederlanden war groß und die, so Van Agt, „bereits latent vorhandene Abneigung gegenüber Deutschland loderte auf wie ein Schwelbrand“. Van Agt blickte aber auch auf viele positive Erfahrungen seiner Amtszeit zurück – darunter seine Freundschaft mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Weitere Informationen und den gesamten Vortragstext finden Sie hier.