Nachrichten Dezember 2008


ISLAMDEBATTE: „Interview mit Mohammed“

Den Haag. CK/VK/NRC. 10. Dezember 2008.

Hirsi Alis “Submission”, Geert Wilders Film “Fitna“ – die Liste islamkritischer (bzw. -feindlicher) Veröffentlichungen aus den Niederlanden ließe sich weiter fortsetzen. Nun erschien das jüngste Werk, das einen Beitrag zur andauernden Islamdebatte liefern möchte: Der gebürtige Iraner und Ex-Moslem Eshan Jami präsentierte den Medien gestern seinen englischsprachigen Film „An Interview with Mohammed“. In einem 14-minütigen Gespräch steht ein arabisch gekleideter und von einer Maske verdeckter „Mohammed“ (alias „Mo“) Jami Rede und Antwort. Auf der Gesprächsagenda stehen die „Opfer des Islam“ - Frauen, Abtrünnige und Juden. Die Botschaft des Films ist eindeutig: Die Menschen sollen den Koran vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit lesen und verstärkt den eher symbolischen Aussagewert der Texte beachten. Es sei, so „Mo“, inzwischen eine „neuen Zeit“ angebrochen.

Jami betonte, dass er sein Werk nicht als „anti-islamisch“ verstanden wissen möchte. Vielmehr wolle er mit seinem Film einen „konstruktiven Beitrag“ zur aktuellen Menschenrechts- und Islamdebatte liefern.

Reaktionen auf den Film gab es bislang kaum, auch die niederländischen Moslemorganisationen brachten ihm wenig Beachtung entgegen. Einige Organisationen bezeichneten ihn als „ein kraftloses Nichts“, das keinen Beitrag zur „Diskussion über sensible Themen an der Schnittstelle von Islam und Gesellschaft“ liefern würde. Eine inhaltliche Stellungnahme hielten sie deshalb für unnötig - eine zuvor angekündigte Pressekonferenz der moslimischen Organisationen in Amsterdam wurde kurzfristig wieder abgesagt.

Justizminister Hirsch Ballin zeigte sich gestern besorgt über die mögliche Auswirkungen des neuen islamkritischen Films: er könne dem Bild der Niederlande im Ausland weiter schaden. Er betonte, dass sowohl die freie Meinungsäußerung als auch der Islam „vollkommen respektiert“ würden. Außenminister Verhagen rief die islamischen Länder dazu auf, Ausschreitungen gegen Niederländer oder niederländische Unternehmen zu verhindern.