Nachrichten Dezember 2008


GEDENKEN: Karikaturist Fritz Behrendt gestorben

Amsterdam. JOK/T/W. 05. Dezember 2008.

Der 1925 in Berlin geborene Zeichenkünstler und Zeitungs-Karikaturist Fritz Behrendt ist gestern im Alter von 83 Jahren in Amsterdam verstorben.

Behrendt emigrierte 1937 mit seinen Eltern in die Niederlande. Er engagierte sich früh im antifaschistischen Widerstand und wurde SS-Gefangener, unterstützte den Aufbau des Sozialismus im ehemaligen Jugoslawien, lebte und zeichnete auf Einladung Erich Honeckers in Ost-Berlin und musste dort schließlich als vermeintlicher "Titoist" eine Haftstrafe absitzen. Seitdem er 1950 auf Druck der niederländischen Regierung nach sechsmonatiger Stasi-Haft entlassen wurde, lebte er in Amsterdam. Er begann seinen Erfahrungen Gestalt zu geben, wobei er seine Arbeiten so nahe wie möglich am Tagesgeschehen hielt und nicht aufhörte, „ein grafisches Plädoyer für mehr Menschlichkeit“ zu entwerfen.

Fritz Behrendt wurde mit seinen politischen Zeichnungen und pointierten Karikaturen in der ganzen Welt berühmt und veröffentlichte unter anderem im Spiegel und der FAZ, der New York Times und dem Time Magazine, der Züricher Weltwoche und Ma’ariv in Tel Aviv. Viele weitere Beiträge in renommierten europäischen Zeitungen und Magazinen, aber auch der Einsatz für z.B. Amnesty International oder Brot für die Welt, folgten. In den Niederlanden, wo er neben dem Algemeen Handelsblad auch für Het Parool und zuletzt De Telegraaf zeichnete, erreichte er nicht zuletzt wegen seiner gezielten Auseinandersetzung mit dem östlichen Nachbarn eine große Leserschaft. Der selbst ernannte Humanist, wie er selbst als Berufsbezeichnung angab, wurde für sein Werk mit etlichen Preisen, Orden und Ausstellungen geehrt.