Nachrichten Dezember 2008


VERKEHR: Mehr Zugverkehr auf Betuweroute

Rotterdam. JOK/TR. 01. Dezember 2008.

Der Zugverkehr auf der Betuweroute, dem größten und bisher teuersten Infrastrukturprojekt der Niederlande zwischen dem Rotterdamer Hafen und Zevenaar nahe der nordrhein-westfälischen Grenze, wird sich allen Prognosen zum Trotz nächsten Monat verdoppeln. Rotterdam ist sehr zufrieden mit der Verbindung, verhindert sie derzeit doch bereits bis zu 200 km zusätzlichen Stau pro Tag.

Am 16. Juni 2007 hat das niederländische Staatsoberhaupt, Königin Beatrix, bei einem Festakt in Barendrecht die seit Mitte der 1980er Jahre geplante Gütertransportstrecke eröffnet. Seit dem Sommer 2008 ist die Testphase zwischen dem Rotterdamer Hafen und dem Ruhrgebiet abgeschlossen und die Strecke offiziell in Betrieb. Eine erste Evaluation sorgte für sehr positive Reaktionen von Seiten der Betriebsleitung Keyrail und der Gemeinde Rotterdam.

Wöchentlich befahren 150 bis 160 Güterzüge die Strecke, und ab dem 14. Dezember, wenn ein neuer, internationaler Fahrplan in Kraft tritt, zwischen 250 und 300. Ein durchschnittlicher Güterzug, so die niederländische Tageszeitung Trouw vergangene Woche, zähle 60 Wagen und sei 500 Meter lang. Das entspreche in etwa 50 Lastkraftfahrzeugen. Ohne Betuweroute hätten also ab kommendem Monat zwischen 12.500 und 15.000 zusätzliche Lkws auf der sowieso schon überstrapazierten Autobahn zwischen Rotterdam und Deutschland eingesetzt werden müssen, die täglich für rund 179 bis 214 Kilometer zusätzlichen Stau gesorgt hätten.

Das heftig umstrittene Bauprojekt wurde 2003 von einer Untersuchungskommission unter der Leitung des Sozialdemokraten Adri Duivensteijn auf seine politische Beschlussfassung und Planung hin untersucht. Zuvor hatte der niederländische Staat eine Risikobürgerschaft in dreifacher Millionenhöhe für das Projekt aufgenommen. Die parlamentarische Enquetekommission kam auf dem über 400 Seiten umfassenden Schlussbericht zu dem vernichtenden Urteil, dass das Parlament als Kontrollorgan oftmals nur unzureichend über Planungsstand und Finanzierung informiert war, dass es vielmehr Mitläufer einer Interessenkoalition gewesen sei und auch über die wirkliche Streckenauslastung im Dunkeln gelassen wurde. In der Folge wuchs die Kritik an der Planung, der Durchführung sowie der als äußerst gering eingeschätzten Streckennutzung.

Die tatsächlichen Fahrbewegungen des ersten halben Jahres bescheinigen der Betuweroute jedoch, eine wachsende und wichtige Gütertransportstrecke zu sein. Erwartungen zufolge werden Ende nächsten Jahres 300 bis 350 Güterzüge pro Woche die Strecke befahren. Ende 2013 sollen 900 Güterzüge fahren, was ca. 150 an einem Tag entspreche. Falls die Zweite Maasvlakte, ein enormes Landgewinnungsprojekt im Rahmen der Rotterdamer Hafenerweiterung, ab 2020 in Betrieb genommen wird, dann versechsfachen sich die Prognosen sogar. Zudem sind Handelsunternehmen, die auf der Zweiten Maasvlakte angesiedelt sind, dazu verpflichtet, 20 Prozent ihres Gütertransports per Zug an- und abzutransportieren. Keyrail erwartet, dass vier von fünf Zugfahrten dann auf der Betwueroute stattfinden werden.