Nachrichten August 2008



DISKUSSION: Suche nach der niederländischen Identität

Den Haag. CK/NRC/Kabinetsstandpunt WRR-rapoort. 21. August 2008.

Im September letzten Jahres sorgte Prinzessin Máxima mit ihrer Aussage, dass sie jahrelang nach der niederländischen Identität gesucht, diese bislang jedoch nicht gefunden habe, für Aufsehen. Anlass für ihre damalige Äußerung war die Veröffentlichung eines Berichts des „Wissenschaftlichen Rates für die Regierungspolitik“ (WRR) zu Fragen der niederländischen Identität. Den Ausgangspunkt für diesen Bericht bildete eine langjährige politische Diskussion, die sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden gesellschaftlichen Pluralisierung nicht nur mit der Frage nach dem Wesen der niederländischen Identität, sondern auch mit der Rolle der Obrigkeit beim Beschützen und Verbreiten eben dieser beschäftigte. Der WRR-Bericht warnte damals davor, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration von Minderheiten mit Hilfe einer eng begrenzten Definition der niederländischen Identität fördern zu wollen und plädierte stattdessen für eine offene Identitätsauffassung.

Vorgestern veröffentlichte das niederländische Kabinett seine Reaktion auf den Bericht des Wissenschaftlichen Rates und definierte darin auch seine eigene Rolle bei der Identitätsfindung: Das Kabinett könne und wolle nicht vorschreiben, „was das Niederländischsein für die Menschen bedeutet und auf welche Weise sich Menschen mit den Niederlanden identifizieren.“ Aufgabe der Obrigkeit sei es jedoch, die „Rahmenbedingungen“ zu schaffen, damit sich die Menschen mit den Niederlanden identifizieren können. Konkret bedeutet dies zuallererst eine Sicherung der Grundwerte des niederländischen Rechtsstaates, zu denen der Bericht insbesondere Freiheit und Gleichwertigkeit, aber auch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz zählt.

Die Identität sei, so das Kabinett, eine individuelle Auslegungssache. Dennoch gäbe es kulturelle Erkennungspunkte, die viele Niederländer teilen würden: Neben der Geschichte, gemeinsamen Erfahrungen und Verhaltenskodexen sei auch das historische Selbstbild des Landes prägend, das sich „mit einem jahrhundertelangem Kampf gegen das Wasser, einem Handelsgeist, technologischem Erfindungsgeist und Offenheit gegenüber Andersdenkenden rühmen“ kann. Als wesentlichen Kern, als „Zement“ der niederländischen Gesellschaft hebt der Bericht die niederländische Sprache hervor.

In Folge dessen betont der Kabinettsstandpunkt die Wichtigkeit des Spracherwerbs für Migranten: Eine der wichtigsten Aufgaben der Zeit sei die Integration der Migranten sowie deren Identifikation mit und Bindung an die niederländische Gesellschaft. Eine völlige Aufgabe der bisherigen Identität ist damit jedoch nicht gemeint. Auch eine doppelte Staatsbürgerschaft wird  - im Gegensatz zu älteren Standpunkten der Regierungspartei CDA – nicht als Hindernis für eine erfolgreiche Integration angesehen. Dennoch erwartet das Kabinett, dass sich alte und neue Staatsbürger mit den Niederlanden identifizieren und „Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, in der sie leben.“