Nachrichten August 2008



KULTUR: Rekordbesucherzahl bei Amsterdamer Gay Pride

Amsterdam. JOK/NRC/TR/VK. 04. August 2008.

Mit einem großen Abschlussfest in der Amsterdamer Innenstadt ist am Sonntagabend die dreizehnte Amsterdamer „Gay Pride – Parade“ feierlich beendet worden.

Die größte Besucherattraktion ist nach wie vor die samstägliche Bootsparade, an der dieses Jahr erstmals rund 80 Boote und geschätzte 500.000 Zuschauer teilnahmen. Der Vorsitzende von ProGay, Frank van Dalen, äußerte sich sehr zufrieden über den Ablauf der dreitägigen Veranstaltung: „Es war ein unerwarteter Erfolg. Alle Feste [Anm. d. Red.: Straßenfeste, Sportfest, Konferenz, usw.] waren von Anfang bis Ende sehr gut besucht. Noch nie hatten wir so viele Besucher zu verzeichnen und auch die Prominenten waren schwer begeistert.“ Für 2009 ist geplant, auf der Parade auch andere Randgruppen, wie Alte, geistig Behinderte und Einwanderer auftreten zu lassen, um aus der Veranstaltung wirklich ein „Fest für Jeden“ zu machen. Das Thema der diesjährigen „Amsterdamer Pride“ war Kultur und Religion (Glaube, Hoffnung, Liebe). Dementsprechend engagierten sich einige Amsterdamer Museen, Programmkinos und weitere kulturelle Einrichtungen mit Programmpunkten. Auch nahm diese Jahr zum ersten Mal ein Boot mit christlichen Homosexuellen teil. Ebenfalls erstmalig und an der Spitze der Bootsparade, war der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen mit dabei und – auch das erste Mal– das „OCGay-boot“. Dieses war besetzt mit Vertretern des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaften („OCW“) und seinem sozialdemokratischen Minister, Ronald Plasterk, ebenso Führungskraft in der Regierung für die Gleichstellung Homosexueller. Mit weiteren Parteikollegen, wie der Innenministerin Guusje Ter Horst, dem Entwicklungsminister Koenders sowie Bildungssekretärin Sharon Dijksma und dem Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten Timmermans, war die sozialdemokratische Partei (PvdA) der Niederlande deutlich vertreten, vergaß aber nicht ausdrücklich zu betonen, dass sie die komplette Regierung repräsentiere. Die Reaktion der Koalitionspartner war jedoch eher zurückhaltend: So gab der Verteidigungsminister Van Middelkoop von der Christlichen Union (CU) in einem Radiointerview am Samstagabend zu bedenken, dass die starke Anwesenheit der Sozialdemokraten „doch ein bisschen provozierend“ gegenüber den Koalitionspartnern gewesen sei. Der Christlich Demokratische Appel (CDA) und die CU sind ihrer Einladung zur Parade nicht gefolgt. Die Sprecherin des CDA für Emanzipationsangelegenheiten Jonker dazu: „Wir finden die Emanzipation von Homosexuellen sehr wichtig und unterstützen alles, was die soziale Akzeptanz Homosexueller fördert. Aber die Gay Pride ist sehr demonstrativ und einseitig. Ich würde lieber etwas mit mehr Diversität unterstützen.“ Die Christliche Union gab wegen der Sonntagsruhe bisher noch keinen offiziellen Kommentar dazu. Dennoch berichtete Wouter Neerings, Vorsitzender der Niederländischen Vereinigung für die Integration Homosexueller (COC), dass ihn „ausländische Kollegen fragen, was ich in Gottesnamen getan habe, um das Kabinett so weit zu bewegen. Das ist ein Meilenstein.“

Obowohl die Amstedamer Gay Pride – Parade letztes Jahr noch durch einige Gewaltdelikte behindert wurde, berichtet die Polizei, dass dieses Jahr alles ohne Probleme verlaufen sei.