Nachrichten April 2008



SICHERHEIT: „Eine beispiellose Tragödie“ – Sohn des Obersten Kommandanten der Streitkräfte getötet

Den Haag/Kabul. FN/NRC/VK/Die WELT. 22. April 2008.

Der Sohn des neuen Kommandanten der niederländischen Streitkräfte ist bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben gekommen. Auf dem Rückweg von einem Einsatz zur niederländischen Militärbasis „Kamp Holland“ wurde ein niederländisches Militärfahrzeug durch eine Sprengladung getroffen. Zwei der Insassen des Fahrzeugs starben bei der Explosion. Die beiden anderen wurden lebensgefährlich verletzt. Verantwortlich für den Anschlag sind Talibankämpfer, die den selbst gebastelten Sprengkörper auf der Strecke des niederländischen Militärkonvois platziert hatten.

Einer der Toten ist der 23-jährige Oberleutnant Dennis van Uhm. Nur Stunden zuvor hatte sein Vater, Peter van Uhm, das Amt des Obstersten Kommandanten der niederländischen Streitkräfte übernommen. In einer feierlichen Zeremonie in Den Haag wurde General van Uhm in der vergangenen Woche die Leitung des Militärs durch den niederländischen Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop (Christen Unie) übertragen. Der vorherige Oberste Kommandant der Streitkräfte, Dick Berlijn, hatte das Amt seit 2004 inne und geht nun vorzeitig in Ruhestand.

Die fast unmittelbar nach dem Festakt eintreffende Nachricht von dem Tod von Dennis van Uhm und seinem Kameraden löste in den Niederlanden Fassungslosigkeit und tiefe Trauer aus. Ministerpräsident Balkenende sprach von „einer beispiellosen Tragödie“. Es sei bitter, dass dies direkt nach der festlichen Zeremonie geschah, äußerte Balkenende. „Wir sind tief getroffen.“ Dick Berlijn sagte, Dennis habe sich uneigennützig für eine bessere Zukunft Afghanistans eingesetzt. „Ich habe tiefen Respekt vor ihm“, so der General. Verteidigungsminister Van Middelkoop versicherte, er habe den General gebeten sich vorerst nur auf seine private Situation zu konzentrieren. Nach ersten Untersuchungen ist das Verteidigungsministerium davon überzeugt, dass der Anschlag auf den Konvoi nicht gezielt auf den Sohn des Obersten Kommandanten ausgerichtet war. „Die Bedrohung durch Minen und Sprengsätze ist in Afghanistan jederzeit gegeben“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Mittlerweile stelle diese Art der Bedrohung die größte Gefahr für die Soldaten in Afghanistan dar.

Insgesamt sind mittlerweile sechzehn niederländische Soldenten in Afghanistan getötet worden. Die Zustimmung für die Afghanistanmission sinkt bei der niederländischen Bevölkerung kontinuierlich. Das ergaben die regelmäßigen Umfragen des Verteidigungsministeriums. Rund 40 Prozent der Befragten ist der Meinung, das der Militäreinsatz in Afghanistan zu gefährlich ist. Die Zahl der bisherigen Opfer sei ein Grund, die Truppen zurückzuholen. Das Risiko sei nicht länger verantwortlich.

Deutsche Beileidsbekundung

Seit gestern ist in Berlin die Fotoausstellung „Gemeinsam für Afghanistan“ zu sehen. Die Bilder des niederländischen Fotografen Hans Stakelbeek dokumentieren die ersten Fortschritte im Wiederaufbau des Landes und zeigen Szenen aus dem täglichen Leben. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der niederländischen, australischen und kanadischen Auslandvertretungen in Berlin. Sie soll verdeutlichen, dass nur durch die gemeinsame Anstrengung aller beteiligten Staaten und Organisationen ein friedlicher Neuanfang in Afghanistan möglich ist. Bei der gestrigen Eröffnung der Ausstellung sprach die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Beisein des niederländischen Botschafters ihr tiefe Anteilnahme an dem Tod der niederländischen Soldaten aus.