Nachrichten April 2008



GESCHICHTE: NIOD besorgt um Eigenständigkeit

Amsterdam. 16. April 2008. CK/VK/NRC/NIOD.

Das renommierte „Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie“ (Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation, NIOD) ist besorgt um seine Eigenständigkeit. Einsparungen des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft könnten auch direkte Folgen für das Institut haben, das bereits am 8. Mai 1945 - drei Tage nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht in den Niederlanden – zur Dokumentation und Erforschung der Besatzungszeit gegründet wurde. Um mehr als 5 Millionen Euro wurde auf Veranlassung von Bildungsminister Plasterk das Budget der „Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen“ (KNAW) gekürzt, einer wissenschaftlichen Dachorganisation, der auch das NIOD verwaltungstechnisch angehört. Um diese Einsparungen kompensieren zu können, diskutiert das KNAW derzeit verschiedene Szenarien. Eine Möglichkeit wäre die Zusammenlegung verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen in Den Haag, was nach Ansicht des Vorstandes nicht nur Kosten einsparen, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen fördern könnte.

Marjan Schwegman, Direktorin des NIODs, befürchtet jedoch, dass diese Anhäufung gerade das Gegenteil bewirken könnte. Die Zusammenarbeit mit anderen KNAW-Instituten wäre, so Schwegman, „nur künstlich“ und würde „den inhaltlichen Kurs [beeinträchtigen], den das NIOD anstrebt.“ Der gute Ruf des NIODs sei, so Mitarbeiter David Barnouw, „gekoppelt an ein deutliches eigenes Gesicht.“

Das NIOD möchte, wenn möglich, auch aus historischen Gründen in Amsterdam bleiben. Gerade diese Stadt sei „auf besondere Weise mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs verbunden.“ Denkbar wäre auch ein Umzug innerhalb der Stadt, da insbesondere die hohen Mietkosten für das Gebäude in der Herengracht dem KNAW ein Dorn im Auge sind. In diesem Fall könnten die Räumlichkeiten des Instituts für Sozialgeschichte aufgestockt und die beiden Forschungseinrichtungen lokal zusammengeführt werden. Mit einer Entscheidung ist voraussichtlich im Sommer zu rechnen.