Nachrichten April 2008



VERKEHR: Katastrophe als letzter Ausweg?

AMSTERDAM. FN/De Telegraaf/NRC/VK/verkeerenwaterstaat.nl. 15. April 2008.

Eine Verkehrskatastrophe wäre ein Segen für die Niederlande, meint der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Bouwend Nederland. Elco Brinkmann zeichnete in einem Interview mit der Tageszeitung De Telegraaf ein alarmierendes Bild: die Verkehrssituation verschlechtere sich zunehmend und die Politik sei vollkommen handlungsunfähig. Nur durch eine dramatische Entwicklung könne noch eine Entschärfung der angespannten Verkehrssituation in den Niederlanden erreicht werden. Brinkmann zog sogar Parallelen zwischen der heutigen politischen Passivität mit den Versäumnissen im Vorfeld der verheerenden Flutkatastrophe in den Fünfzigerjahren. „Natürlich nicht in dem Umfang und mit den Toten“, beschwichtigte er, aber er habe gemerkt, „dass die Politik erst zu einem Beschluss kommt, wenn einem das Wasser über die Schuhe läuft.“ Die vielen Verkehrsmodelle, die Studien und politischen Rahmenprogramme würden nicht mehr helfen. Daher kommt Brinkmann zu der Überzeugung, dass ein großes Verkehrschaos die politischen Entscheidungsträger wachrütteln könnte. „Es wäre ein Segen für das Land, wenn es drei Tage hintereinander zu einem totalen Stillstand kommen würde.“

Der dramatische Appell des Lobbyisten des niederländischen Baugewerbes ist sicherlich etwas überspitzt und nicht ganz uneigennützig. Ein wichtiger Sektor von Bouwend Nederland ist das Baugewerbe im Bereich der Infrastruktur. Fakt ist dennoch, dass die Verkehrssituation in den Niederlanden seit Jahren angespannt ist. In den Neunzigerjahren hat sich die Anzahl der Staukilometer verdreifacht. Eine Umkehrung des Trends scheint nicht wahrscheinlich. Im Gegenteil wird der Personenverkehr bis zum Jahr 2020 um weitere 20 Prozent, der Güterverkehr sogar um bis zu 80 Prozent zunehmen, so die Prognose des Verkehrsministeriums. Das jetzige Straßennetz hat seine maximale Auslastung erreicht. Die Straßen werden intensiv genutzt, vor allem in eng besiedelten Randstad herrscht eine hohe Verkehrsdichte. Doch die Regierung bleibt bei ihren ehrgeizigen Vorgaben: Im Jahr 2020 sollen 95 Prozent der Verkehrsteilnehmer pünktlich an ihrem Ziel ankommen. Als kurz- und mittelfristige Maßnahmen sind die Freigabe von Entlastungsspuren (spitsstroken) und die Vereinfachung der Planungsverfahren vorgesehen. Langfristig ist aber auch die Einführung einer Kilometergebühr für Autofahrer vorgesehen, so die Agenda des Verkehrsministeriums.