Nachrichten April 2008



MIGRATION: Kurioser Zulauf an chinesischen Asylbewerbern

Ter Apel. CK/NRC/VK. 9. April 2008.

Ein unerwarteter Andrang an chinesischen Asylbewerbern brachte in den letzten Wochen die Mitarbeiter des Immigranten- und Einbürgerungsdienstes in Ter Apel (Provinz Groningen) in Bedrängnis. Rund 850 Chinesen stellten zwischen Mitte März und Anfang April einen Asylantrag – normalerweise melden sich durchschnittlich 20 Chinesen pro Monat bei dem Anmeldezentrum. Ein Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen in China besteht jedoch nicht: viele Antragsteller halten sich anscheinend bereits längere Zeit illegal in den Niederlanden auf. Auslöser scheint vielmehr ein Gerücht zu sein, das zur Zeit in chinesischen Kreisen kursiert: Demnach soll Prinz Willem-Alexander im kommenden Jahr das königliche Zepter übernehmen und als Einstiegsgeste allen Asylsuchenden, die vor April diesen Jahres einen Antrag eingereicht haben, Generalamnestie erteilen.

In Folge des unerwarteten Andrangs mussten kurzfristig neue Not- und Auffangstätten eingerichtet werden; etwa 200 Asylsuchende wurden in einem nahegelegenen Bungalowpark untergebracht.

Gestern setzte sich das niederländische Parlament in einer  Dringlichkeitsdebatte mit der Problematik auseinander. Justiz-Staatssekretärin Nebahat Albayrak sagte zu, die Anträge der Chinesen mit Vorrang zu behandeln. In einigen Teilen des Parlaments kam die Forderung auf, die Asylsuchenden in Gewahrsam zu nehmen, um ein erneutes Verschwinden in die Illegalität zu verhindern. VVD-Mitglied Kamp richtete sich direkt an die Staatssekretärin: „Entweder setzen Sie sie hinter Gitter, oder Sie lassen sie laufen.“ Ein Festhalten der Antragsteller lehnte Albayrak jedoch ab. Den Chinesen müsse die "selbe Behandlung zu kommen, wie allen anderen Asylsuchenden.“ Bislang wurden 75 Anträge, die zumeist von jungen, alleinstehenden Männern gestellt wurden, untersucht. Rund Dreiviertel davon wurden abgelehnt.