Nachrichten September 2007



POLITIK: Zentralkomitee für Ex-Muslime nimmt Arbeit auf

Den Haag. FN/NRC/VK/TROUW. 12. September 2007.

Am Dienstag nahm das Zentralkomitee für Ex-Muslime offiziell in Den Haag seine Arbeit auf. Ehsan Jami ist Gründer und Vorsitzender des Komitees, dessen Programm bereits seit Juni bekannt ist. Das Komitee will Muslimen, die sich öffentlich dazu bekennen, nicht weiter ihrer Glaubensgemeinschaft angehören zu wollen, helfen. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ist es nicht vorgesehen, sich von der Religion abzuwenden. Die Abkehr vom Glauben kann mit der Todesstrafe geahndet werden. In einigen islamischen Ländern wird dabei die Anwendung der Todesstrafe mit dem Verweis auf das religiöse Gesetz der Scharia praktiziert. Beispielsweise ist im Sudan die Bestrafung der Abkehr vom muslimischen Glauben mit dem Tod im Strafgesetzbuch festgeschrieben.Auch in westlichen Ländern reagiert die Glaubensgemeinschaft häufig sehr negativ auf die Abkehr von der Religion. Ehsan Jami musste das selbst schmerzlich erfahren. Der 22-jährige iranischstämmige Student bekennt sich öffentlich zum Atheismus. Jami ist Mitglied der sozialdemokratischen PvdA. Für seine Partei ist er Stadtratabgeordneter von Leidschendam-Voorburg in der Nähe von Den Haag. Seitdem er sich für die Ex-Muslime einsetzt und öffentlich den Islam kritisiert, wird er von gewaltbereiten Islamisten bedroht. Er wurde bereits mehrfach tätlich angegriffen. Seit über einem Monat steht er unter permanentem Polizeischutz. Das Komitee für Ex-Muslime will die Tabus der muslimischen Welt aufbrechen. Themen, wie die häusliche Gewalt und die Missachtung der Rechte der Frau, sowie der Umgang mit Homosexualität sollen offen diskutiert werden. In einer Erklärung zur Unterstützung der Ex-Muslime wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass das Recht auf Religionsfreiheit fester Bestandteil der Grundrechte ist. In den Niederlanden sollte jeder Mensch das Recht haben, ohne Beeinträchtigung sein religiöses Bekenntnis zu ändern. In der Erklärung wird „der Konflikt zwischen der islamischen Lehre und dem niederländischen Recht“ angesprochen. Dabei wird auch heftige Kritik an der niederländischen Regierung geübt. Die Regierung „stellt offensichtlich den Respekt vor dem Islam über den Respekt für die individuelle Freiheit der Religionsausübung und Weltanschauung.“ Insgesamt haben 76 Personen des öffentlichen Lebens die Erklärung unterzeichnet. Von den Fraktionsvorsitzenden der Zweiten Kammer unterzeichneten allerdings nur Mark Rutte von der liberalen VVD, Marianne Thieme (Partei für Tiere) und der durch die Forderung nach einem Verbot des Islams in die Schlagzeilen geratene Geert Wilders von der rechtspopulistischen Partei PVV (NiederlandeNet berichtete). Prominente PvdA- und CDA-Mitglieder haben die Erklärung nicht unterschrieben.