Nachrichten September 2007



ABN AMRO: Übernahme oder Selbstständigkeit?

Amsterdam. VS/NRC/EV/VK. 10. September 2007.

Im Übernahmestreit um ABN Amro geht es in eine weitere Runde. Das Bankentrio aus Royal Bank of Scotland (RBS), Fortis und Banco Santander hat weiterhin die besten Karten, da das Angebot des britischen Rivalen Barclays - das größtenteils aus eigenen Aktien besteht - aufgrund fallender Aktienkurse mittlerweile nur noch 59,8 Milliarden Euro Wert ist und somit fast 12 Milliarden unter dem Gebot des Konsortiums liegt. Der ABN Amro Betriebsrat ließ vergangenen Freitag verlauten, dass das Bankentrio eine "reelle Chance" habe, das Rennen zu machen. Inzwischen haben fallende Kurse jedoch auch bei den Aktionären von RBS für Unmut gesorgt: Sie fordern von ihrer Bank, das Übernahmegebot von 71 Milliarden Euro drastisch zu verringern, einige fordern gar den Ausstieg aus der Übernahme. Steigende Kreditkosten bringen zudem die Finanzierung der Übernahme in Gefahr. Ein Sprecher von Fortis betonte hingegen, die Situation sei unverändert, und auch RBS hält weiterhin an dem Gebot fest. Die noch ausstehende Entscheidung über eine Übernahmeerlaubnis für das Konsortium (NiederlandeNet berichtete im August) muss Finanzminister Bos spätestens am 17. September bekanntgeben. Durch die unruhige Lage auf den Finanzmärkten könnte eine andere Möglichkeit für ABN Amro wieder attraktiver werden: Die Gewerkschaft De Unie stellte letzte Woche einen Vorschlag anonymer ABN Amro-Mitarbeiter vor, die einen selbstständigen Kurs vorziehen und den Verlust von 8.000 Arbeitsplätzen im Falle einer Übernahme nicht hinnehmen wollen. In diesem Stand-Alone-Szenario würden die Tochterbanken Banco Real und Antonveneta verkauft werden, was zusammen mit dem geplanten Verkauf der amerikanischen Bank LaSalle 34 Milliarden Euro einbrächte. In diesem Fall wäre eine ABN Amro-Aktie dann 39 Euro wert, 60 Cent mehr als bei einer Übernahme durch das Bankentrio. ABN Amro selbst hatte jedoch stets argumentiert, dass Selbstständigkeit keine realistische Option mehr sei.Am 20. September werden die Übernahmegebote in einer speziellen Aktionärsversammlung noch einmal besprochen. Sollte ABN Amro, die eine Übernahme von Barclays bevorzugt hatte, sich nun für das finanziell bessere Angebot des Konsortiums aussprechen, hat Barclays keine Chance mehr. Andernfalls fällen die Aktionäre, die ihre Aktien bis zum 5. Oktober den Rivalen anbieten können, das Urteil.