Nachrichten OKtober 2007


NATIONAL: Unruhen im Amsterdamer Westen

Amsterdam. CK/VK/NRC/Die Zeit. 22.Oktober 2007.

Brennende Autos prägten in der letzten Woche das Bild des Amsterdamer Westens. Sechs Tage in Folge kam es im Stadtteil Slotervaart zu Unruhen. Auslöser war der Tod des 22jährigen Niederländers marrokanischer Herkunft, Bilal B., der vorletzte Woche Sonntag von einer Polizistin erschossen worden war. Der anscheinend geistig Verwirrte hatte zuvor in der Polizeiwache zwei Polizeibeamte mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Bei den anschließenden Ausschreitungen war eine Gruppe von 35 Jugendlichen federführend, die bereits zuvor auffällig gewesen war und den Tod Bilals als Anlass für weitere Unruhen nahm. Slotervaart gehört zu den Problemvierteln Amsterdams und war in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Bereits 1998 war es in dem Vorort, in dem ein Großteil der Bevölkerung marrokanischer Herkunft ist, zu größeren Ausschreitungen gekommen. Nur eine Woche vor dem Tod Bilals war ein marrokanischer Schüler von seinem türkischen Klassenkameraden mit tödlichen Folgen niedergestochen worden. Durch zahlreiche Hilfsprogramme hatte man in den letzten Jahren versucht, den sozialen Spannungen in dem Viertel entgegen zu wirken. Die Frage, ob diese ausreichend waren oder ob noch mehr Hilfestellung gegeben werden muss, scheint sich in der niederländischen Öffentlichkeit zur Zeit jedoch nicht zu stellen. Die Politiker streben stattdessen eine härtere Gangart an. Amsterdams Beigeordneter Lodewijk Asscher (PvdA) regte an, uneinsichtige Eltern von jugendlichen „Problemfällen“ mit Kürzungen ihrer finanziellen Unterstützung zu bestrafen. Ein Vorschlag, der auch in der Zweiten Kammer auf breite Zustimmung stößt. Eltern von jugendlichen Randalierern könnten demnächst Schadensersatzansprüche sowie die Streichung des Kindergeldes drohen. In Slotervaart nahm die Polizei am Samstag erste Verdächtige fest. Seitdem blieb es vorerst ruhig in den Straßen des Viertels.