Nachrichten OKtober 2007


STAATSBESUCH: Ein rundum gelungener Besuch

Den Haag/Enschede. FN/PR/NRZ/regering.nl/WN. 11. Oktober 2007.

Der dreitägige Staatsbesuch von Bundespräsident Horst Köhler in den Niederlanden ist für alle beteiligten äußerst positiv verlaufen. Von beiden Seiten gab es wiederholt gegenseitiges Lob, mehrfach wurde das ausgezeichnete Verhältnis der Nachbarländer zueinander hervorgehoben. Auch der gute Draht, den Königin Beatrix und Bundespräsident Köhler offensichtlich zueinander haben, trug zu der harmonischen Stimmung während des Besuchsprogramms bei.

Deutlich unterschied sich dieser Besuch damit von früheren Staatsbesuchen, die oft von schrillen und meist sehr kritischen Tönen in der niederländischen Presse begleitet wurden. Häufig waren diese vor allem von der noch unaufgearbeiteten Vergangenheit geprägt. Dieses Thema wurde auch von Horst Köhler nicht ausgeklammert. Bei einer Kranzniederlegung in Rotterdam erinnerte er an die deutschen Bombenangriffe auf die Niederlande während des Zweiten Weltkrieges. Aktuelle politische Themen, wie die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, prägten aber deutlich die zahlreichen Gespräche während des Staatsbesuches. Beispielsweise ging der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende ausführlich auf die deutsche EU-Präsidentschaft ein und fand dabei ungewöhnlich lobende Worte für das deutsche Engagement: „Durch das Auftreten ihres Landes ist es gelungen, den EU-Mitgliedstaaten wieder eine Perspektive für eine weitere ausgewogene Entwicklung zu geben.“ Dabei habe Bundeskanzlerin Merkel und die deutsche Regierung Anerkennung für ihre Verhandlungsführung beim Ringen über den EU-Reformvertrag verdient. „Mit einer angemessenen Kombination von Takt, Durchsetzungsvermögen, Tatkraft und persönlicher Autorität haben sie Europa durch eine kritische Zeit gelotst“, sagte Balkenende. Darüber hinaus wurde besonders die Verantwortung Europas für Afrika unterstrichen. Ein Thema, das Köhler seit seiner Zeit beim Internationalen Währungsfond (IWF) immer wieder mit Nachdruck auf die politische Agenda setzt. Anlässlich der bereits seit fünfzig Jahren bestehenden grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in dem deutsch-niederländischen Kommunalverband EUREGIO besuchten Königin Beatrix und Bundespräsident Köhler gestern gemeinsam die Grenzregion. Bei einer Veranstaltung in der Universität Twente informierten Vertreter aus der Region über die Arbeit der ältesten grenzüberschreitenden regionalen Organisation in Europa. Dem 1958 gegründeten deutsch-niederländischen Zusammenschluss gehören heute 130 Städte, Gemeinden und Landkreise an. Die Zusammenarbeit erfasst viele Bereiche wie Sicherheit, Gesundheit, Wohnen und Arbeiten, Bildung und Wissenschaft. „Ich möchte zeigen, dass Europa mehr ist als nur die Politik in Brüssel“, sagte Köhler und bekam eine Fülle von Beispielen als Bestätigung für seinen Wunsch. Neben Fragen der praktischen Verwaltungszusammenarbeit, wie zum Beispiel dem Bürokratieabbau, wurden vor allem die außergewöhnlich engen Kontakte der Universitäten der Grenzregion thematisiert. Bisher konnte ein breites Angebot an Austauschaufenthalten geschaffen werden, das auch sinnvoll in den Studienplan der einzelnen Fächer integriert werden konnte.

Für die Zukunft gab jedoch Friso Wielenga, Professor am Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster zu bedenken, dass mit dem Bologna-Prozess neue Herausforderungen für die universitäre Zusammenarbeit entstanden sind. Mit dem Stichwort Bologna wird die europäische Initiative bezeichnet, die das Hochschulwesen in Europa vergleichbar machen soll. In Deutschland wird zurzeit das international gängige Bachelor- und Mastersystem eingeführt. „Leider kann dabei die Aufrechterhaltung der Kompatibilität der Studiengänge nicht immer gewährleistet werden“, gab Friso Wielenga zu bedenken. Grund hierfür ist, dass beide Länder bei der Gestaltung der Masterphase unterschiedliche Wege gehen. Der Masterstudiengang wird beispielsweise in Deutschland für zwei Jahre, in den Niederlanden jedoch nur für die Dauer eines Jahres angelegt sein. „In diesem Fall müssen wir gemeinsame Lösungen erarbeiten, um die guten Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit nicht zu gefährden“, fordert Friso Wielenga.