Nachrichten OKtober 2007


STAATSBESUCH: Köhler zu Besuch in den Niederlanden

Den Haag. CK/NRC/Algemeen Dagblad/ANP. 8. Oktober 2007.

Bundespräsident Horst Köhler reiste heute Vormittag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in die Niederlande, wo er direkt nach seiner Ankunft von Königin Beatrix begrüßt wurde. Auf dem Programm steht neben einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende u.a. ein Besuch des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Zudem ist ein Treffen mit Experten zum Thema „Gemeinsam für nachhaltige Entwicklung – Möglichkeiten für eine deutsch-niederländische Zusammenarbeit“ geplant. Am letzten Tag seines Staatsbesuches reist Horst Köhler gemeinsam mit Gastgeberin Königin Beatrix nach Enschede, um über die Konzeption und Perspektiven der EUREGIO zu diskutieren und sich über konkrete grenzüberschreitende Projekte in kulturellen, technischen und medizinischen Bereichen zu informieren. Um einen schwierigen Staatsbesuch handelt es sich dabei nicht: Das Verhältnis zwischen Deutschland und den Niederlanden ist auf staatlicher Ebene seit Jahren ausgezeichnet und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, wie etwa im Fall des deutsch-niederländischen Korps in Münster, enger denn je. Im Gegensatz zu den Staatsbesuchen seiner Vorgänger, die noch in stärkerem Maße im Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit standen, erscheint der Besuch Köhlers nahezu als „unspektakulär“. Auch die geplante Kranzniederlegung am Rotterdamer Denkmal „De Verwoeste Stad“, das zur Erinnerung an den deutschen Bombenangriff auf die Stadt im Mai 1940 errichtet wurde, besitzt nicht mehr die Brisanz der früheren Jahre. Eine einfache Reduzierung auf die NS-Zeit ist zumeist aus den Köpfen, und insbesondere auch aus dem Schulunterricht, verschwunden. Stattdessen wendet man sich verstärkt den gemeinsamen Aufgaben und Themen der Gegenwart, wie Integration, Terror und Sicherheit, zu. Völlig spannungsfrei ist natürlich auch das aktuelle Verhältnis nicht. Es erscheint jedoch mittlerweile losgekoppelt vom früheren „Dreh- und Angelpunkt“ des deutsch-niederländischen Verhältnisses: der NS-Vergangenheit. Neuere Untersuchungen, etwa des Verlages Wegener, zeigen, dass sich auch das Bild der niederländischen Bevölkerung von ihren östlichen Nachbarn langsam verbessert. Noch zu Beginn der 90er Jahre hatten Untersuchungen des Instituts Clingendael für Aufsehen gesorgt, nach denen die überwiegende Mehrheit der jungen Niederländer negativ gegenüber dem Nachbarland eingestellt war. Das Bild vieler Deutscher gegenüber den Niederlanden wurde hingegen in den letzten Jahren insbesondere durch den Mord an Theo van Gogh und der großen Popularität von rechten Politikern wie Pim Fortuyn beeinflusst. Viele würden in den Niederlanden nun „kein Paradies“ mehr sehen, so der Sozialwissenschaftler Christoph Meyer, sondern hätten ein realistischeres Bild über den Nachbarn entwickelt. Klischees existieren nach wie vor auf beiden Seiten. Diese könnten am besten durch ein besseres Kennenlernen beider Seiten überwunden werden, so Köhler in einem Interview gegenüber dem Algemeen Dagblad. Deshalb sei es auch so eine gute Idee gewesen, „dass vor zehn Jahren die Außenminister beider Länder das Deutschland-Institut an der Universität Amsterdam und das Haus der Niederlande an der Universität Münster errichtet haben. Diese Einrichtungen liefern sehr gute Arbeit ab und tragen zu einem besseren Verständnis bei. Wir können alle dazu beitragen die übriggebliebenen Vorurteile abzubauen.“