Nachrichten OKtober 2007


ABN AMRO: Konsortium macht das Rennen

Amsterdam. VS/NRC/Financieel Dagblad. 8. Oktober 2007.

Die Aktionäre haben entschieden: Im Übernahmestreit um ABN Amro sprachen sie sich mit einer deutlichen Mehrheit für das Angebot des Bankenkonsortiums aus Fortis, Royal Bank of Scotland (RBS) und Santander aus. Der britische Konkurrent Barclays hatte sein Angebot am Freitag zurückgezogen, nachdem der Bank nur 4,4 Millionen Aktien angeboten worden waren. Dies entspricht etwa 0,2 Prozent der weltweit verfügbaren Aktien. ABN Amro muss Barclays nun 200 Millionen Euro als Entschädigung für die nicht zustande gekommene Übernahme zahlen. Auf diese Bußgeldsumme hatte man sich zu Beginn der Verhandlungen mit Barclays geeinigt, sollte einer der Verhandlungspartner die Vereinbarungen nicht einhalten. Laut Barclays übersteige der Betrag die im Zuge des Übernahmeangebots entstandenen Kosten. Noch hat das Bankentrio nicht offiziell bekanntgegeben, wieviele Aktionäre ihnen ihre ABN Amro Anteile angeboten haben, unter Eingeweihten ist jedoch von gut 85 Prozent die Rede. Das gute Ergebnis war abzusehen, da das Angebot des Trios gut 9 Milliarden Euro höher als das von Barclays ist (NiederlandeNet berichtete im September). Etwa 30 Prozent der ABN Amro Aktien liegen zudem in Hedgefonds, die automatisch das höchste Gebot wählen. Da auch die Europäische Kommission dem Bankentrio die Erlaubnis zur Übernahme erteilt hat - Fortis hatte zuvor von der Kommission gestellte Bedingungen akzeptiert, die eine zu große Machtposition der neuen Banken in den Niederlanden verhindern sollen - steht der Übernahme nichts mehr im Weg. Das Konsortium muss nun innerhalb von fünf Tagen bekannt geben, ob es sein Angebot erfüllen wird. Danach werden die drei Banken ABN Amro zerschlagen und unter sich aufteilen. Die RBS soll das Investmentbanking und das Großkundengeschäft übernehmen, die spanische Santander das Südamerika- und Italien-Geschäft. Das Stammgeschäft in den Benelux-Ländern geht an die beligsche Fortis Bank. Bei ABN Amro sind zurzeit etwa 100.000 Mitarbeiter beschäftigt, 26.000 davon in den Niederlanden. Durch die Übernahme gehen insgesamt etwa 6.000 Stellen verloren.