Nachrichten OKtober 2007


POLITIK: Bedrohte Islamkritikerin Hirsi Ali zurück in den Niederlanden

Den Haag. FN/NRC/VK/Trouw/Spiegel/Welt. 2. Oktober 2007.

Schluss mit US-Bodyguards: Die von der Ermordung bedrohte Islam-Kritikerin Hirsi Ali ist einem Bericht des NRC-Handelsblatts zufolge gestern in die Niederlande zurückgekehrt. Die Regierung habe die Kosten für die Bewachung in den USA nicht mehr übernehmen wollen, hieß es zur Begründung. Die ehemalige Parlamentsabgeordnete sei an einen sicheren Ort gebracht worden. Die Behörden verweigerten jegliche Auskunft zu dem Bericht. Die ehemalige VVD-Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali steht seit dem Mordanschlag auf den Filmemacher Theo van Gogh vor drei Jahren unter Polizeischutz, weil sie von islamistischen Extremisten bedroht wird. Im vergangenen Jahr entbrannte ein heftiger Streit über den Asylantrag der gebürtigen Somalierin. Da sie bei ihrer Einreise in die Niederlande im Jahr 1997 missverständliche bzw. falsche Angabe gemacht hatte, sollte sie auf Betreiben der damaligen Ministerin für Immigration und Integration, Rita Verdonk, ausgebürgert werden. (NiederlandeNet berichtete) Nach einer breit geführten öffentlichen Debatte wurde ihr die Staatsbürgerschaft letztendlich nicht entzogen. Ihre Parteikollegin bei der VVD, Rita Verdonk, musste jedoch als Ministerin zurücktreten. Hirsi Ali ging daraufhin in die USA. In Washington nahm die Politikwissenschaftlerin eine Tätigkeit bei der konservativen Forschungseinrichtung American Enterprise Institute auf. Hirsi Ali hat bereits mehrfach den Islam scharf kritisiert.

Gemeinsam mit Theo van Gogh hat sie einen sehr umstrittenen Film produziert, der die Unterdrückung und Misshandlung von muslimischen Frauen thematisiert. Daraufhin wurde Van Gogh von militanten Islamisten bedroht und im November 2004 ermordet. Der Mörder hinterließ am Tatort eine Todesdrohung an Hirsi Ali. Seitdem muss die Islamkritikerin ständig bewacht werden. Auch nach ihrem Umzug in die USA stand sie unter permanentem Polizeischutz. Mit bis zu sechs Bodyguards wurde sie bei öffentlichen Veranstaltungen beschützt. Vor allem als die englische Ausgabe ihrer islamkritischen Autobiographie erschien, häuften sich erneut die Drohungen. Anfänglich leistete der Königliche und Diplomatische Sicherheitsdienst den Personenschutz für Ali, zuletzt wurde eine private Sicherheitsfirma beauftragt. Nun will der niederländische Staat die Kosten für den Personenschutz im Ausland nicht mehr übernehmen. Die bisherige Übernahme der Kosten durch die Niederlande sei eine Übergangslösung gewesen, hieß es zur Begründung. Die Vereinigten Staaten leisten jedoch grundsätzlich keinen Personenschutz für Privatpersonen. Daher musste Hirsi Ali vorerst in die Niederlande zurückkehren, wo ihr ein Recht auf Personenschutz zusteht. Falls sie eine Greencard erhalten und somit für längere Zeit in den USA bleiben sollte, hat Hirsi Ali vorgeschlagen, selbst einen Hilfsfond zu gründen und Spenden einzuwerben, um in Zukunft ihren Schutz selbstständig zu finanzieren.