Nachrichten Dezember 2007



BILDUNG: Schüler demonstrieren gegen 1040-Stunden-Richtlinie

Amsterdam/Den Haag. CK/VK/NRC. 26. November 2007.

„1040 ist zu viel“ ließt man auf den Plakaten der Schüler, die sich am Freitag zu Tausenden in niederländischen Städten auf die Straße begeben haben. In einer spontanen Protestaktion äußerten sie ihren Unmut gegenüber der bislang geltenden Richtlinie von 1.040 Unterrichtsstunden pro Jahr für die weiterführenden Schulen. Das Bildungsministerium will weiterhin an dieser Mindestanzahl festhalten und deren Einhaltung in Zukunft stärker kontrollieren. Mit einer „Qualitätsagenda“ soll den Tendenzen der letzten Zeit entgegengewirkt werden: Laut eines Berichts der Schulaufsichtsbehörde bietet nur eine von fünfzehn Schulen genügend Unterrichtsstunden an. Schulen, die sich nicht an die Mindestrichtlinien halten, sollen künftig stärker durch die Aufsichtsbehörde überprüft und schwere Überschreitungen mit Bußen belegt werden. Mehr Qualität als Quantität fordern hingegen die Gegner dieser Pläne. Die Richtlinie sei eine rein bürokratische Regelung, so der Vorsitzende der Groen-Links-Jugendorganisation DWARS, Joeri van der Hoff. Das Landelijk Aktie Komitee Scholieren (LAKS) schickte am Samstag einen Gegenentwurf an die Zweite Kammer, in dem es sich für eine Reduzierung der Stunden aussprach. Diese sollten zwischen 860 und 1040 Stunden variieren, um je nach Schulform Unterricht nach Maß anbieten und mehr Zeit in die individuelle Schülerbetreuung investieren zu können. Staatssekretärin Marja van Bijstervel (Bildung) kam diesen Forderungen am Sonntag ein Stück entgegen. Gemeinsam mit dem Dachverband der weiterführenden Schulen, dem VO-Rat, einigte sie sich darauf, dass 40 der vorgesehenen 1040 Stunden nicht für alle Schüler verpflichtend sein sollen, sondern für die individuelle Schülerbetreuung genutzt werden können. Zudem soll das 72-stündige Praktikum, das die Schüler ab 2011 absolvieren müssen, inklusive sein. Des Weiteren sollen die Schulen mehr Geld für Krankenvertretungen bekommen. Krankheit ist ein wesentlicher Grund für den Ausfall von Schulstunden. Insgesamt hält van Bijstervel jedoch an der 1.040-Stunden-Regelung fest. LAKS empfindet diese Entwicklung als nicht weitgehend genug. Sie haben für Freitag zu einer landesweiten Demonstration aufgerufen, falls die Diskussion keine Wendung nehmen sollte. Am Mittwoch findet im Parlament eine Dringlichkeitsdebatte zu diesem Thema statt.