Nachrichten Dezember 2007



KULTUR: Rettung in letzter Sekunde: Anne Franks Baum wird vorerst nicht gefällt

Amsterdam. FN/NRC/VK/annefrank.org. 21. November 2007.

Die Kastanie im Innenhof des Achterhuis, in dem sich Anne Frank und ihre Familie während des Krieges vor der Verfolgung durch die Nazis versteckten, wird vorerst nun doch nicht gefällt. Am 13. Mai 1944 schrieb Anne in ihr Tagebuch: “Unser Kastanienbaum steht von unten bis oben in voller Blüte und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.“ Aus ihrem Versteck konnte Anne Frank nur den Baum sehen, er war ihre Verbindung zur Außenwelt. Häufig erwähnte sie den Baum in ihrem heute weltweit bekannten Tagebuch. Der Baum, der inzwischen “Anne-Frank-Baum” genannt wird, ist bereits seit Jahren krank. Die Kastanie befindet sich im Garten eines abgeschlossenen Innenhofs zwischen der Keizersgracht und der Prinsengracht. Aus den neuesten Untersuchungsergebnissen geht hervor, dass eine Pilzkrankheit weitere Teile des Baumes ergriffen hat und der Stamm bereits zu mehr als 70% befallen ist. Das Risiko eines Stammbruchs ist dadurch gegeben. Der über 170-jährige Baum hat ein Gesamtgewicht von mehr als 27 Tonnen. In den letzten zehn Jahren wurde die Kastanie von verschiedenen Gartenbaufirmen untersucht und gepflegt. 2005 musste die ausladende Krone stark gestutzt werden, um den Baum zu stabilisieren.

Seit bekannt geworden ist, dass der Baum gefällt werden soll, hat sich ein breiter Protest von Nachbarn und der niederländischen Baumstiftung formiert. Für Mittwochmorgen um 7 Uhr war die Fällung des Baumes angesetzt. In einem Eilverfahren hat gestern Abend ein Richter entschieden, den Gegnern der Fällung eine Frist bis zum ersten Januar einzuräumen, um Alternativen zur Rettung der Kastanie zu erarbeiten. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, die Äste des kranken Baumes an Stahlseilen aufzuhängen, um ihr Gewicht zu reduzieren.

Die Auseinandersetzung um die Fällung des Baumes dauert nun schon länger an. Sie wird mit großer Medienaufmerksamkeit verfolgt. Offensichtlich befürworten die Verantwortlichen des Anne Frank-Hauses die Fällung. Der Direktor des Hauses sagte dazu: „Der Baum praktisch tot. Eine Leiche in einem Stahlkorsett ist kein guter Anblick.“ Darüber hinaus ließ er durchblicken, dass das Anne Frank-Haus einer Befestigung des Baumes mit Stahlseilen an ihren Hauswänden nicht zustimmen würde. Die letzte Entscheidung über die Zukunft von Anne Franks Baum liegt bei dem Eigentümer des Gartens und der Amsterdamer Stadtverwaltung. Aus der ganzen Welt kamen Vorschläge für eine dem Gedenken an Anne Frank angemessene Verarbeitung des Holzes. Die Anteilnahme an dem Schicksal von Anne Frank, die als Symbolfigur für die unschuldig Verfolgten steht, ist nach wie vor groß.