Nachrichten Dezember 2007



GEDENKEN: Journalist Kees Lunshof gestorben: „Verlust für die politische Debatte“

Den Haag. FN/NRC. 20. November 2007.

Kees Lunshof, einer der bekanntesten Kolumnisten der Niederlande, ist tot. Lunshof hat fast vier Jahrzehnte für die niederländische Boulevardzeitung „De Telegraaf“ gearbeitet. Im Alter von 61 Jahren starb er, nachdem er schon längere Zeit krank war, am Wochenende in seinem Haus in Den Haag.

Kees Lunshof war einer der einflussreichsten Journalisten am Binnenhof, dem Sitz der beiden parlamentarischen Kammern und damit dem politischen Zentrum der Niederlande. Laut der Tageszeitung NRC Handelsblad war Lunshof „ein fester Bestandteil des politischen Zirkels in Den Haag“. Der ehemalige Ministerpräsident Dries van Agt sagte zur Bedeutung von Lushofs Kolumne: „Man kann eher seine Kamerstukken (offizieller Schriftverkehr zwischen der Regierung und dem Parlament) liegen lassen als seine Kolumne.“ In seiner Kolumne am Dienstagmorgen lieferte Lunshof Hintergründe über die aktuellen politischen Themen und zeigte die Motive für die Entscheidungen der Politiker auf. Die sozialdemokratische PvdA und die linksliberale D´66 griff er häufig scharf an. Besonders in den Siebzigerjahren nahm Lunshof sich bei der Kritik des Kabinetts den Uyl nicht zurück. Über seine eigenen politischen Vorlieben verriet der konservative Journalist nichts: „Die CDA-Leute denken dass ich VVD wähle und die VVD denkt, dass ich CDA wähle. Das soll auch so bleiben.“ Als vertrauenswürdig, ehrlich und konsequent wurde Lunshof parteiübergreifend geschätzt. Auf Grund seiner polarisierenden Kommentare war er jedoch auch gefürchtet.

Seit 1971 arbeitete Kees Lunshof für die auflagenstärkste niederländische Tageszeitung. De Telegraaf ist die einzige überregionale Boulevardzeitung der Niederlande. Politisch ist sie konservativ und bisweilen rechtspopulistisch orientiert. Sie beinhaltet viele „Sensationsberichte“ und einen großen Sportteil. Damit ähnelt sie der deutschen Bild-Zeitung. Im Vergleich zu Bild ist De Telegraaf jedoch milder und vor allem textlastiger.

Ministerpräsident Balkenende sagte am Sonntag, der Tod von Kees Lunshof sei „ein Verlust für die öffentliche, politische und gesellschaftliche Debatte“. Er würdigte Lunshof als einen warmen und engagierten Menschen: „Man musste nicht immer seiner Meinung sein, aber seine Analysen basierten auf gründliche Kenntnis und besonders große Erfahrung im Bereich der Politik und des Staatsrechts. Kees Lunshof war ein eigensinniger Mann mit einem großen Herz für die parlamentarische Demokratie.“