Nachrichten Dezember 2007



PROZESS Holleeder: Staatsanwaltschaft fordert 12 Jahre Haft

Amsterdam. CK/VK/NRC. 12. November 2007

Der „Jahrhundert-Prozess“ gegen Willem Holleeder, der seit April wegen Erpressung und Misshandlungen in mehreren Fällen in Amsterdam vor Gericht steht, nähert sich dem Ende. Holleeder wird unter anderem beschuldigt, die Immobilienhändler Willem Endstra, Rolf Friedländer und Kees Houtman erpresst zu haben. (NiederlandeNet berichtete) Noch Anfang letzter Woche hatte Ungewissheit darüber geherrscht, ob die Staatsanwaltschaft in diesen Tagen ihre Anklageschrift verlesen kann. Holleeder war am Dienstag aufgrund gesundheitlicher Probleme in ein Leidener Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Anwalt hatte angekündigt, notfalls eine Vertagung der Sitzung zu beantragen. Bereits Mitte des Jahres war der Prozess wegen einer Herzerkrankung des Hauptangeklagten für mehrere Monate aufgeschoben worden. Am Donnerstag konnte die Staatsanwaltschaft jedoch planmäßig mit dem Verlesen ihrer 200-seitigen Anklageschrift gegen den ehemaligen Heineken-Entführer und dessen acht Mitangeklagten beginnen; heute wurde abschließend die Erpressung des 2004 ermordeten Willem Endstra behandelt und das geforderte Strafmaß bekannt gegeben. Im Fall des Amsterdamer Kaufmanns John Wijsmuller konnte die Anklage aus Mangel an Beweisen nicht aufrecht erhalten werden. In allen anderen Fällen liegen nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch genügend Beweise für eine weitere Anklage Holleeders vor. Der „Mann mit zwei Gesichtern“ würde, so Staatsanwalt Koos Plooij, seine Opfer immer mit derselben Methode einwickeln: Holleeder kreiere zunächst ein Problem, durch das seine Opfer in große Gefahr geraten würden, und böte ihnen anschließend gegen eine hohe Bezahlung Hilfe an. Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft für Holleeder; für die Mitangeklagten werden bis zu vier Jahre Haft veranschlagt. Nach Anhörung der Verteidigung ist in einigen Wochen mit dem Urteil zu rechnen.