Nachrichten Dezember 2007


PARTNERSCHAFT: Vertiefung der strategischen Partnerschaft – niederländische Beteiligung an Ostseepipeline

Rotterdam/Moskau. FN/NRC/Handelsblatt. 8. November 2007.

Der niederländische Gasversorger Gasunie ist in das Projekt zum Bau der Ostseepipeline von Russland nach Deutschland eingestiegen. Dies ist das Ergebnis des dreitägigen Besuchs des niederländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende in Moskau Anfang der Woche. Balkenende reiste nach Russland, um die strategische Partnerschaft beider Länder zu vertiefen. Die Energiefrage ist dabei von zentraler Bedeutung. Gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Putin wohnte der Staatschef der Vertragsunterzeichnung zwischen dem niederländischen Unternehmen und dem staatlichen russischen Betrieb Gazprom bei.
Das niederländische Gasunternehmen Gasunie hält nun neun Prozent der Anteile von der Ostseepipeline-Betreibergesellschaft Nord Stream. Nord Stream ist ein deutsch-russisches Unternehmen, wobei der russische Gasmonopolist die Mehrheit hat. Die über eine Länge von 1200 km geplante doppelte Pipeline soll ab 2010 jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Westeuropa transportieren. Umstritten ist der Bau der Gasleitung, weil sie durch die Wirtschaftszonen der Ostseeanrainerstaaten verläuft ohne, dass diese davon profitieren. Vor allem Polen protestierte gegen den Bau der Pipeline. Von Anfang an sahen die Planungen die Möglichkeit vor, nach Fertigstellung der Gasleitung eine Abzweigung in die Niederlande, nach Polen und Großbritannien zu bauen. Großbritannien und Polen haben dies jedoch bereits abgelehnt.

Im Gegenzug übernahm Gazprom einen neunprozentigen Anteil an der 235 Kilometer langen Gasleitung Balgzand Bacton Line (BBL) zwischen den Niederlanden und Großbritannien, an der Gasunie 60 Prozent hält. Über die Pipeline soll künftig auch russisches Gas in das Vereinigte Königreich fließen. Die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad schrieb zur Bedeutung des niederländischen Einstiegs in das Ostseepipelineprojekt: „Die Niederlande sind dem Freundeskreis des russischen Gasmonopolisten Gazprom beigetreten. Ein Freund von Gazprom ist ein Freund Russlands.“ Für Russland hat der niederländische Einstieg Vorteile, da das Gaspipeline-Projekt nun ein noch breiteres Interesse hat. „Die Teilnahme von Gasunie macht das Projekt vielseitig und schafft bessere Bedingungen für die Verwirklichung“, sagte Präsident Putin. Mit der Beteiligung eines weiteren europäischen Partners will Mehrheitseigner Gazprom offenbar den Widerstand der Ostseeanrainer gegen das Projekt brechen.