Nachrichten November 2007


KONSUM: Verschärfung der Drogenpolitik - Verbot von halluzinogenen Pilzen in den Niederlanden

Amsterdam. KG. 06. November 2007.

In den Niederlanden hat die Diskussion über die Verschärfung der liberalen Drogenpolitik auch den Umgang mit halluzinogenen Pilzen erreicht. Diese in den Niederlanden als paddo’s (Abkürzung für paddestoelen = Pilze) bezeichneten Pilze sind in Smartshops in Amsterdam und anderen großen Städten frei verkäuflich und werden gerne von jugendlichen Touristen aus ganz Europa konsumiert. Besonderes Aufsehen erregte der Selbstmord der siebzehnjährigen Französin Gaelle Caroff, die sich im März 2007 nach dem Konsum von Pilzen vom Amsterdamer Wissenschaftsmuseum Nemo stürzte. Im Juli sprang ein neunzehnjähriger Isländer aus dem Fenster seines Hotels. Er überlebte den Fall, verletzte sich aber schwer an beiden Beinen. Nach dem Tod der jungen Französin hatte sich Anfang 2007 eine Mehrheit des niederländischen Parlamentes, bestehend aus Mitgliedern von CDA, VVD, CU und PVV für die Durchsetzung eines Komplettverbots von Rauschpilzen ausgesprochen. In den meisten anderen europäischen Ländern sind diese schon seit Längerem verboten. Im Oktober entschloss sich Gesundheitsminister Ab Klink (CDA) nun ein Verbotsverfahren zu veranlassen.

Die Diskussion um die Pilze schließt nahtlos an die Diskussion um den generellen Umgang mit weichen Drogen an, die in den Niederlanden seit ein paar Jahren die Öffentlichkeit beschäftigt. Es herrscht im Prinzip Einigkeit darüber, dass die traditionelle Duldungspolitik, die zwar den Besitz und Verkauf von Haschisch verbietet (einzig der Besitz von fünf Gramm Haschisch zum Eigenverbrauch ist gestattet), den Verkauf in geringen Mengen in Coffeeshops aber zulässt, nicht fortgesetzt werden kann. Sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung nimmt der Ärger über Belästigungen durch illegale Haschischproduktion und den Haschischhandel sowie durch Haschischnutzer zu. Auch das europäische Ausland (vor allem die Nachbarländer Deutschland und Belgien) und die EU haben in den letzten Jahren den Druck auf die Niederlande erhöht, den Umgang mit den weichen Drogen gesetzlich neu zu regeln.