Nachrichten Mai 2007



ABN: 71,1 Milliarden Euro-Gebot für ABN-Amro/Verlust von Arbeitsplätzen/Name bleibt

Amsterdam. 31. Mai 2007. AB/VK/NRC.

Am Dienstag hat das europäische Bankentrio Fortis, Royal Bank of Scotland und Santander erneut ein Kaufgebot der größten niederländischen Bank ABN-Amro aufgestellt. Das Konsortium bietet 71,1 Milliarden Euro, fast 14 Prozent mehr als die britische Bank Barclays. Damit werden die Übernahmepläne der drei Banken einen Monat nach ihrem Erstgebot konkret. Die Royal Bank of Scotland, die das Konsortium leitet, soll unter anderem die Sparten Europa und Nordamerika übernehmen. Deshalb ist weiterhin Bedingung für die Gesamtübernahme, dass die niederländische Unternehmenskammer den Entschluss aufrecht hält, dass die ABN Amro-Tochter La Salle nicht ohne Zustimmung der Anteilseigner verkauft werden darf (NiederlandeNet berichtete). Im Revisionsverfahren zum ersten Urteil steht das entgültige Urteil des Hoge Raad noch aus. Für die niederländischen Kleinanleger ist wohl vor allem von Belang, dass die belgisch-niederländische Versicherungsbank Fortis die Sparte Niederlande und die Abteilungen Vermögensverwaltung übernehmen möchte. Gestern hat der Fortis-Chef Jean-Paul Votron in Interviews mit dem NRC Handelsblad und der Volkskrant diesbezüglich versichert, dass die Marke ABN Amro in den Niederlanden erhalten bleiben wird. Er sieht kein Problem darin, dass die Kunden seiner Bank in Zukunft in Belgien in eine Fortis-Filiale und in den Niederlanden in eine ABN Amro-Filiale gehen werden. In den letzten Wochen gab es in den Niederlanden Diskussionen darüber, dass ausgerechnet eine belgische Bank die größte niederländische Bank aufkaufen möchte. Dazu sagte der Belgier Votron, der von 1997 bis 2001 Senior Executive Vice-President von ABN-Amro war, er fühle sich als Weltbürger, Fortis sei schon lange ein belgisch-niederländischer Betrieb und es sei nur Zufall, dass die Bank derzeit von einem Belgier geleitet werde. Schlimmer als belgisch-niederländisches Konkurrenzdenken wiegt allerdings in den Niederlanden die Tatsache, dass bei der Übernahme Arbeitsplätze eingespart werden. Bei ABN Amro arbeiten rund 100.000 Menschen. Laut Votron fallen ungefähr 6500 Arbeitsplätze weg. Das seien erheblich weniger als bei einer Übernahme durch Barclays. Im Hauptbüro in Amsterdam werden noch einmal 1100 Stellen gestrichen. An diesen Streichungen sind dann aber auch die Royal Bank of Scotland und Santander beteiligt. Joop Hofland von der Gewerkschaft De Unie gab zu bedenken, dass es abzuwarten bleibe, ob das Konsortium garantieren kann, dass zukünftig keine zwangsweisen Kündigungen entstehen. Dazu äußerte Votron die Hoffnung, dass Fortis auch mit ABN Amro weiter um die 9% wächst und somit auf lange Sicht eher Arbeistplätze entstehen werden. Ob der Hauptsitz der Bank in Amsterdam, mit dem ebenfalls niederländische Gefühle verbunden sind, erhalten bleibt, ist noch ungewiss.